Mein Körper und Ich

Ich verstehe meinen Körper nicht.

Er spricht eine andere Sprache als ich: Wenn ich etwas will, versteht mich auch mein Körper häufig nicht. Ich kann nicht sagen, was er will, also mache ich weiter mit dem, was ich tun wollte. Mein Körper reagiert mit Verweigerung, er macht nicht mit. Ich versuche es mit Verhandlungen, mit Kompromissen, mit Widerspruch, mit Quid pro quo. Meist hilft das alles nichts. Wenn mein Körper nicht will, dann ist Feierabend, was immer ich auch anfangen wollte.

Mein Körper verhält sich schon mein Leben lang wie ein Linksautonomer. Seine Haltung sieht man ihm schon von Weitem an: Seine knochige Gestalt erinnert an ein Skelett. Augenringe weisen auf durchgrübelte Nächte hin. Im Verhältnis zum dürren Oberkörper scheinen die kräftigeren Beine sagen zu wollen: “Mich kriegt ihr nicht!” Drehe man meinen Körper um 90 Grad in die Seitenansicht, sähe man mich nicht mehr, wird mir seid der Kindheit von Dritten berichtet.

Es kann so nicht weitergehen. Unser Zwist reibt uns beide auf. Wir berauben uns gegenseitig unserer Freiheiten: Freier Wille ist undenkbar, wenn der Körper sich nicht frei bewegen kann. Mein Körper kann nicht er selbst sein, wenn ich ihm immer wieder zuwider handle.

Frieden jetzt!


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