CAS-Nummer 50-48-6
Also auf ein Neues.
Einem Zufall zu verdanken, bekam ich gestern von einem Moment auf den nächsten einen Termin bei einer Psychiaterin. Das erste Gespräch verlief, wie ich finde, dass solche Gespräche verlaufen sollten. Ihre Nachfragen schienen immer die richtigen Stichworte und Probleme anzusprechen.
Ellipsis
Nach dem letzten Eintrag das Haus verlassen. Brauchte Luft. Den immerwährenden Vorwurf des vor mir geschlossenen virtuellen Fensters zur Welt fliehen. Ich glaube, ich habe gehofft, es würde mir jemand dumm kommen, um ihn zusammenzuschlagen, einfach nur, um meine Wut Gestalt geben zu können.
War nichts. Statt dessen laue Sommernacht. Gruppen, Paare beim Grillen, im Gartenlokal, beim Spazierengehen. Aus dem virtuellen wird ein wahrer Vorwurf. Die ganze Welt ein Scheiß-Grinsen, hinter dem sich nur ein Gedanke verbirgt: Warum Du nicht?!?
Kein Nazi, der mir Punchingball hätte sein wollen…
Wut ohne Ziel. Hoffnungslos. Ich komme leer zurück. Der Vorwurf bleibt. Die Wut geht. Gedanken im Kreis.
Ein sinnfreier Kommentar im Depressionsforum. Mir fehlt die Distanz, das abzutun, aber Wut will sich nicht einstellen, nur die gottserbärmliche Enttäuschung, die bei mir immer im Selbstmitleid endet.
Mein Gehirn kann sich immer noch winden. Die übelsten Depressionen werden ausbleiben, diesmal. Wenn sie sich wieder einmal einstellen, wird sich hier nichts dazu finden.
Was mache ich hier eigentlich? Wozu..?
…
Verachtung
Jeder Satz, den ich anfange, würgt mich mit seinem ekelerregenden Pathos. Auch dieser. Mein Selbstmitleid macht mich würgen, mein Magen krampft. Einzig ein Wort noch: Verachtung. Selbst ist gestrichen.
Ich weigere mich zu akzeptieren, dass 75mg weniger Nortriptylin in dieser abgemagerten kantigen Hülle, in der andere mich zu erkennen scheinen, die versucht, mein Gehirn am Leben zu erhalten, für diesen Abstieg in diese widerlichen wohlbekannten… FUuuCK! Lasst mir wenigstens meinen Zusammenbruch und meinen Ekel.
Wut. Endlich. Etwas.