Sep 30 2009

Dieses Blog und Ich

Seit der Kritik meiner Therapeutin denke ich ein ums andere Mal über Sinn und Zweck dieses Blogs nach. Ursprünglich habe ich mir die Aufgabe eindeutig gestellt: Ich wollte über meinen selbstverordneten Schatten springen und ab sofort offen meine Probleme bekennen. Das Blog sollte mich daran erinnern, mir immer wieder die Frage vorzulegen: Wie geht es mir? Um mich selbst auf die Antwort aufmerksam zu machen – um gegebenenfalls gegensteuern zu können.

Gleichzeitig wollte ich die Tore aufstoßen zu meinen Bekannten, die sich ob meines regelmäßigen “Austritts” aus der Gesellschaft (oder auch “nur” Arbeit) fragen mussten, was mit mir los ist. Ich wollte jedem die Möglichkeit geben, es zu erfahren – wenn er (oder sie) es wissen will. Ein Besuch meines Blogs sollte reichen.

Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich nur eines der beiden Ziele auch nur ansatzweise erreicht habe…

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Sep 27 2009

Ghostwriting in der Pharmaforschung

Telepolis berichtet über einen Artikel des Public Library of Science Medicine Journals:

Den Redakteuren zufolge belegen diese Dokumente, dass Wyeth spezialisierte Unternehmen wie DesignWrite, nach eigener Darstellung der “Marktführer in medizinischer Kommunikation”, damit beauftragte, Artikel nach eigenen Wünschen anzufertigen. Erst anschließend seien akademische Autoren gesucht worden, unter deren Namen die Studien veröffentlicht werden konnten. Die Namen der eigentlichen Verfasser würden in den Veröffentlichungen nicht mehr vorkommen.

Das scheint allerdings verbreitete Praxis zu sein, wie der Artikel weiter ausführt:

Redakteure von JAMA haben 1998 zusammen mit Wissenschaftlern die Ergebnisse einer Befragung [extern] veröffentlicht, derzufolge 19% der untersuchten medizinischen Arbeiten Gastautoren aufwiesen, 11% Ghostwriter und 2% beides.

Weshalb ich das in einem Depressionsblog veröffentliche? Antidepressiva sind ein riesiges Geschäft. Dennoch sind ihre Wirksamkeit und Wirkmechanismen weiter umstritten, ihre Nebenwirkungen sind teils massiv. Nichts ist also wichtiger, als eine fundierte, wissenschaftlich-objektive Diskussion über diese Medikamente und den Umgang mit ihnen.

Wenn man jedoch den diesen Diskussionen zugrunde liegenden vermeindlich wissenschaftlichen Publikationen nicht vertrauen kann, weil nicht einmal ihre Autorenschaft nachvollziehbar ist – was bedeutet das dann für die aus ihnen geschlussfolgerten Erkenntnisse und darauf basierenden Entscheidungen – nicht zuletzt auch für die Arzneimittelzulassung?


Sep 25 2009

Ohne Antidepressiva

Gut, es geht also auch ohne. Seit dem 9. August habe ich keine Antidepressiva mehr genommen, und ich funktioniere noch. Es geht mir sogar relativ gut. Ich sollte mich eigentlich glücklich schätzen, dass es so ist.

Was ist Nebenwirkung der Medikamente, was ist mein “Normalzustand”? Die Fragen stellen sich jetzt so nicht mehr. Also das hier jetzt bin also ich, offenbar… Und es geht mir nicht anders als zuvor, nicht besser, nicht schlechter.

Sicher, ich bin diese Unsicherheiten los – aber für mich bedeutet das nur, dass ich keine Ausreden mehr habe, kein Medikament, das Schuld an einem “Symptom” sein könnte. Es bedeutet auch und vor allem: Die Medikamente schützen mich nicht – ich muss selbst auf mich aufpassen. Das galt zwar schon immer, aber die Hoffnung, ein Medikament könnte mir dabei helfen, habe ich verloren. Wieder fällt alles auf mich zurück.

Aber ich sollte mich eigentlich glücklich schätzen: Ja, ich werde in absehbarer Zeit wieder Arbeiten können, nehme ich an. Ja, ich kann meinen Alltag wieder alleine bewältigen. Ich funktioniere wieder. Aber macht das einen Menschen glücklich? Mich nicht.

Ich komme mir gerade wieder sehr alleingelassen vor mit der ganzen Scheisse… Muss aber gehen, verdammt!


Sep 24 2009

Schizophrenie

Ein sehens- und lesenswertes Kapitel aus dem 2010 erscheinenden Comic Psychiatric Tales (auf Englisch).