Und wo bin ich?

Hinter all meiner Wortgewandtheit und den zahlreichen Nachrichten aus aller Welt hätte ich mich in diesem Blog mal wieder selbst zum Verschwinden gebracht, so meine Therapeutin.

Da hat sie wohl recht. Ich verstecke mich hinter den Meldungen anderer. Mich sieht man darin nur, wenn man die Nachrichten wie Polaroids von einem Tatort betrachtet, kleine Einzelbeweise, Indizien, dass es mich gibt und welche Meinung ich verträte, täte ich es.

Das war eigentlich nicht so gedacht.

Aber im Kern sieht es so aus: Mich kotzt so unglaublich vieles von meiner Umwelt inzwischen offenbar als alltäglich Hingenommenes so unendlich an, dass ich mich in dieser Kotzgrube kaum mehr selber wiederfinde. Da kann ich nicht anders, als so zu tun, als ob es sich um trübes Wasser handele, denn was sollte ich sonst tun?

Sonst bleibt nur Wut. Kein sonderlich gern gesehenes Gefühl heutzutage. Wütende indifferente Äußerungen diskreditieren sich doch schon selbst, so die landläufige Meinung – oder etwa nicht? Zynismus wird gerade noch toleriert, aber er bringt einen anderen Menschen auch nicht gerade näher…

…insbesondere, wenn man meinen zu hören, lesen, sehen bekäme in völlig undomestizierter Form! Man kann ja mal versuchen, einem hungernden, einsamen, im zu kleinen Gehege in einen kreisförmigen Tanz gezwungenen Tiger die Hand entgegenzustrecken!

Die Scheisse ist so tief in mir begraben, dass ich sie selbst nicht mehr so ohne weiteres wahrnehme.

Ja, natürlich bin ich nicht ich selbst hier. Was soll ich denn tun? Meine Zukunft und das bisschen Ansehen verspielen, indem ich meine anerzwungenen Manieren vergesse? Ganz ohne Maske geht es nicht – schon gar nicht im ewig speicherbaren, dauerhaft durchsuchbaren “Volksmedium” Internet.

Zumindest solange bis ich weiss, was ich aufs Spiel setzen will.

Trotzdem danke für’s Lesen.


Eine Antwort an “Und wo bin ich?”

  • Dieses Blog und Ich | nullwert Schreibt:

    [...] Seit der Kritik meiner Therapeutin denke ich ein ums andere Mal über Sinn und Zweck dieses Blogs nach. Ursprünglich habe ich mir die Aufgabe eindeutig gestellt: Ich wollte über meinen selbstverordneten Schatten springen und ab sofort offen meine Probleme bekennen. Das Blog sollte mich daran erinnern, mir immer wieder die Frage vorzulegen: Wie geht es mir? Um mich selbst auf die Antwort aufmerksam zu machen – um gegebenenfalls gegensteuern zu können. [...]

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