Sep 27 2009

Ghostwriting in der Pharmaforschung

Telepolis berichtet über einen Artikel des Public Library of Science Medicine Journals:

Den Redakteuren zufolge belegen diese Dokumente, dass Wyeth spezialisierte Unternehmen wie DesignWrite, nach eigener Darstellung der “Marktführer in medizinischer Kommunikation”, damit beauftragte, Artikel nach eigenen Wünschen anzufertigen. Erst anschließend seien akademische Autoren gesucht worden, unter deren Namen die Studien veröffentlicht werden konnten. Die Namen der eigentlichen Verfasser würden in den Veröffentlichungen nicht mehr vorkommen.

Das scheint allerdings verbreitete Praxis zu sein, wie der Artikel weiter ausführt:

Redakteure von JAMA haben 1998 zusammen mit Wissenschaftlern die Ergebnisse einer Befragung [extern] veröffentlicht, derzufolge 19% der untersuchten medizinischen Arbeiten Gastautoren aufwiesen, 11% Ghostwriter und 2% beides.

Weshalb ich das in einem Depressionsblog veröffentliche? Antidepressiva sind ein riesiges Geschäft. Dennoch sind ihre Wirksamkeit und Wirkmechanismen weiter umstritten, ihre Nebenwirkungen sind teils massiv. Nichts ist also wichtiger, als eine fundierte, wissenschaftlich-objektive Diskussion über diese Medikamente und den Umgang mit ihnen.

Wenn man jedoch den diesen Diskussionen zugrunde liegenden vermeindlich wissenschaftlichen Publikationen nicht vertrauen kann, weil nicht einmal ihre Autorenschaft nachvollziehbar ist – was bedeutet das dann für die aus ihnen geschlussfolgerten Erkenntnisse und darauf basierenden Entscheidungen – nicht zuletzt auch für die Arzneimittelzulassung?