Okt 20 2009

Zuviel Zeit

Vor etwa sechs bis acht Wochen wäre ich überzeugt gewesen, dass der Schritt zurück in die Arbeit gelingen würde. Die Suche nach einem Psychiater, die weit auseinandergerissenen Termine, der Papierkram mit der Krankenkasse haben mich dazu gebracht, es damals nicht umgehend zu versuchen. Jetzt ist es endlich soweit, aber ich hatte einfach zu lange Zeit, diesen Termin auf mich zukommen zu sehen, zuviel Zeit, zu reflektieren, was im letzten dreiviertel Jahr eigentlich passiert ist.

Und das ist soviel weniger als das, was ich zu erreichen erhofft hatte. Es geht mir besser, das ist wahr. Es geht medikamentenfrei besser – auch gut. Aber das ist ein Besser-als-schlecht, kein Es geht mir gut!

Ich bin soweit weg von der Selbstsicherheit, die ich mir 2007 erarbeitet hatte… Dieser Rückblick, diese Erinnerung, die ich als Ansporn nutzen wollte, als Beispiel, als Beweis, dass ich auch anders kann, frustriert mich inzwischen nur noch, weil ich nicht verstehe, warum ich den Mut von damals nicht mehr aufbringen kann.

Obwohl, ich ahne es: Damals half eine Reihe glücklicher Zufälle, kurzer Bekanntschaften, die damals auch einfach nicht in mein Leben hätten treten können. Seht mal z.B. hier und hier, Erinnerungen an die zwei schrägsten Eine-Nacht-Beinahe-Affairen meines Lebens, die mich glauben lassen konnten: Ich bin so scheiß-cool manchmal! — Auch wenn ich es in den Situationen beim besten Willen nicht war. Aber der Glaube kann Berge versetzen, nicht wahr?

Diesen Glauben habe ich aber wieder verloren. Knochentrockene Nüchternheit hat mich meiner Träumereien Hoffnungen beraubt. Wenn man meine Enttäuschung verstehen will: Es ist, als hätte ich den Punkt im Tunnel erreicht, an dem sich herausstellt, dass das Licht, dass ich für das Ende des selbigen hielt, nur eine Kerze war, die in diesem Moment ausbrennt.

Heute ist der zweite Tag, an dem die Depressionssymptome weiter zunehmen: Noch spüre ich den Hunger, aber der Appetit ist fort – fast Ekel bei dem Gedanken, etwas in mich reinzwingen zu müssen. Schlaflosigkeit – noch nicht ganz, aber unruhige Nächte mit wirren Träumen, spätes Einschlafen früh am Morgen. Keine Lust, das Haus zu verlassen, weil ich mir die Gedanken ersparen möchte, was die Menschen wohl denken mögen, wenn sie meine Fresse so zu sehen bekommen. Diese Symptome eben.

Es sieht so aus, als finge die Arbeit heute schon an…