Willkommen zur dieswöchigen Spätausgabe der Worte zum Sonntag. Hier also mein frühabendlicher Versuch, das Lesens- oder Wissenswerteste der letzten Woche zusammenzustellen:
Die vorige Nachricht bekommt eine weitere Dimension angesichts des folgenden Ergebnisses einer Studie des Münchener Max-Planck-Instituts für Psychiatrie: “Umwelteinflüsse wie starker Stress während der Geburt und traumatische Erlebnisse in frühester Kindheit können das Erbgut nachhaltig verändern. Damit gerät ein Dogma der Biologie ins Wanken, dass nur Mutationen das Erbgut formen können.” – Wenn der Schreck ins Erbgut fährt.
Zum Wochenabschluss dann noch ein Video – via BoingBoing erreichte mich der folgende kurze Vortrag, der mir in Erinnerung rief, was auch ich so alles beim Spielen von Rollenspielen über das Leben gelernt habe (oder hätte lernen können):
Gerade eben habe ich in den heutigen Worten zum Sonntag eilig und etwas beiläufig auf einen Artikel der New York Times hingewiesen: The Americanization of Mental Illness. Inzwischen habe ich die sechs Seiten vollständig in Ruhe gelesen, und halte den Text für so gut, dass ich ihn mit einem separaten Blog-Eintrag würdigen will.
Der Autor teilt eine Menge der Sorgen, die ich persönlich beim Umgang meiner Ärzte und meines Umfelds mit meiner Krankheit, der Depression, beobachtet zu haben glaube – untermauert die Bedenken aber mit Verweisen auf zahlreiche wissenschaftliche Studien.
Ein Beispiel von mehreren:
“The results of the current study suggest that we may actually treat people more harshly when their problem is described in disease terms,” Mehta wrote. “We say we are being kind, but our actions suggest otherwise.” The problem, it appears, is that the biomedical narrative about an illness like schizophrenia carries with it the subtle assumption that a brain made ill through biomedical or genetic abnormalities is more thoroughly broken and permanently abnormal than one made ill though life events.
Diese biomedical narrative, die Reduktion der Erklärung für geistige und seelische Beschwerden auf biologistische Ursachen, konnten wir in Deutschland gerade anhand der intensiven Berichterstattung über Depressionen nach dem Selbstmord Robert Enkes beobachten.
Das Buch des Autors Ethan Watters mit dem Titel Crazy Like Us, auf dem der Artikel basiert, werde ich mir wohl bestellen; es soll offenbar am 12. Januar erscheinen. Ich werde also voraussichtlich nochmal auf das Thema zurückkommen.
Nachtrag: Es gibt einen auf deutsch erschienenen Text von Ethan Watters auf GEO.de zu einem weiteren sehr interessanten Thema, den genetischen Ursachen von Krankheiten. Und er ist wieder äußerst lesenswert: Epigenetik: der Übercode.
DER WESTEN (die Online-Ausstülpung der WAZ Zeitungen) meint, man könne Mit Vitamin B fit im Kopf bleiben. (Ich nehme übrigens seit Jahresanfang eine B-Komplex-Kapsel pro Tag als Nahrungsergänzung, mal sehen, ob es hilft.)
Über den reinen Irrsinn – d.h. die ideologische Politik hinter Krankheitsdefinitionen – am Beispiel Toronto: You will become mentally ill in 2013
Eine interessante Meinung: “Undertreatment of depression is not the real story; the real story is the recalcitrance [dt.: Widerspenstigkeit] of depression, even to state-of-the-art treatments. That’s the hard truth we should be telling the public.”
Gestern erinnerte mich die englische Presse durch eine breite Online-Berichterstattung über eine Studie der britischen Organisation Be Mindful zu den nachgewiesenen Erfolgen, die Meditation und Achtsamkeit bei der Behandlung von Depressionen erzielen, an mein Vorhaben von Ende letzten Jahres, einmal zu beschreiben, wie ich mein Meditieren erlebe und wie es mir ganz persönlich hilft.