Beinstellen, Naseziehen

Seit Anfang vergangener Woche schweige ich schon wieder zu meinem Zustand, tut mir leid. Ich habe die Abende teilweise schlicht versucht, Abstand zu gewinnen – wenn es gelang mittels Meditation, oder einfach nur durch Ablenkung. Man könnte sagen, mir fehlten die Worte.

Die habe ich heute im Gespräch mit meiner Therapeutin wiedergefunden. Anders als sonst: Diesmal fühlte ich mich gewissermaßen auf die Unterhaltung vorbereitet; die zahlreichen Gedankenentwürfe, die ich zu den Problemen und Gefühlen der letzten Wochen gemacht hatte, um sie in diesem Blog vielleicht zur Sprache zu bringen und anderen verständlich zu machen, waren der Ausgangspunkt für den Gedankenaustausch. Soweit, dass ich mir Antworten auf meine Fragen fast selber geben konnte.

Wozu also die Therapeutin?

Ich jedenfalls kann mich selbst ganz schlecht eines Besseren belehren. Meine Überlegungen beginnen stets, sich in Selbstreferenzen zu verlaufen und in Kreisen um den immer gleichen blinden Fleck zu drehen. Ich brauche jemanden, der meinen Gedanken ein Bein stellt, damit sie nach dem Sturz vielleicht den richtigen oder zumindest einen neuen Weg einschlagen.

Es ist ein wenig wie das, was ich von Zen zu wissen glaube – was, wenn es überhaupt stimmt, nicht allzu viel ist. Es ist eigentlich nur das, was mein Gehirn im Laufe der Jahre um die Anekdoten herum eingeordnet hat, die ich aus dem Buch Die Kunst des Wilden Denkens von Wes Nikser habe, das ich zu seiner Veröffentlichung (1992?) in die Finger bekommen habe. Mit ihren Koan scheinen mir Zen-Meister eine jahrhundertelange Erfahrung im Gedanken-Beinstellen zu haben. Ich zitiere mal eine der Anekdoten (kein Koan, glaube ich) aus dem Wilden Denken, die wiederum nach Alan WattsThe Spirit of Zen zitiert ist:

So fragte Meister Shi-kung: “Kannst du den leeren Raum ergreifen?” – “Jawohl, Herr,” erwiderte der Mönch. “Zeige mir, wie du das machst.” Der Mönch machte mit seiner Hand eine zupackende Bewegung in der Luft, aber Shi-kung rief: “Auf solche Weise? Doch bei alledem hast du nichts erwischt.” Deswegen fragte der Mönch: “Wie macht ihr es denn?” Jählings faßte Shi-kung den Mönch bei der Nase und, indem er kräftig daran zog, rief er aus: “So macht man’s, den leeren Raum fest in die Hand zu kriegen!”

Manchmal habe ich das Gefühl, das Leben spielt mir den Zen-Meister: Es stellt mir Fragen, ich antworte unüberlegt, und dann werde ich plötzlich übel an der Nase gezogen. Oder das Schicksal stellt mir mal wieder ein Bein, so dass ich heftig auf die Fresse falle. Damit ich danach vielleicht den richtigen Weg einschlage?

Apropos Leben und Weg – Alan Watts hat am Ende des folgenden von den South Park-Machern animierten Stücks auch dazu etwas zu sagen:

(Den Teil, den ich meine, gibt es bei YouTube auch nicht-einbindbar separat anzusehen – der Beschreibungstext dazu gibt übrigens etwas Hintergrundinfo dazu, wie ausgerechnet die Köpfe hinter South Park dazu kamen, Reden von Alan Watts zu illustrieren.)


2 Antworten an “Beinstellen, Naseziehen”

  • Jenny Schreibt:

    I have had my fair share of the life-handing-nose-burns-thing too. I don’t quite believe in that kind of mechnisms though – I’d rather see that I myself reproduce a pattern, even when I’m not aware of it – and that will eventually have me fall on my nose, because I do what I usually do – one way or another. For me, becoming aware of these patterns have been the best “use” of time in therapy – having someone else, skilled and “unrelated” to myself, point out the patterns that make me repeat my same old mistakes. Having them pointed out doesn’t automatically mean I can just “do things differently” – but at least I know there’s a pattern, and can start steering slowly in an other direction. Usually THAT’s when I start thinking Life is “handing” me things – that’s when I start thinking of Jung and his synchronicities. I’m not sure who said it, but it’s an old saying – from some eastern teaching too, I believe – that when the student is ready, the teacher will appear. Well, we get ready by moving, ever so slightly, step by step from our patterns, we start making new choices – and then… along comes our teacher. A new opportunity, a new friend, a new idea, a new life goal or just a new boost of energy.

    But it’s easy to get stuck thinking – I try my hardest, and look how Life treats me. OK – bad luck happens, it does. But often, if it happens repeatedly – there’s a pattern. And if we can make ourselves aware of the pattern, we can figure out how to snap out of it. Its not easy, but I think it’s the way to go.

    Yada-yada-yada. Sorry for babbling your ears off like this – and I’m not even sure my babbling is relevant to you…! I might very well just be misinterpreting the whole post. In that case: Ooops. blush ;-)

    But thanks for the Alan Watts reference – I hadn’t heard of him before!

  • Philipp Schreibt:

    You have all freedom to (mis ;-) interpret my post any which way you want. I’m always glad if you (or someone else, for that matter) feels, say, inspired enough to comment, and it will always add a new perspective.

    Well, now, let’s see when my teacher’ll come along…

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