Die Ausgangslage
Wenn ich mich zusammenreißen kann, werde ich hier in der Folge vom Verlauf meiner neuen Behandlungsversuche berichten. Damit man dem folgen kann, will ich versuchen, die Ausgangslage dafür zu beschreiben. (Den weiter gefassten Gesamtüberblick über meine Krankheitsgeschichte findet Ihr ja in Über/About “Nullwert”.)
Während meiner letzten langen depressiven Phase um dieselbe Zeit letztes Jahr musste ich feststellen, dass mir mein bisheriger Psychiater nicht länger vertrauenswürdig erschien. Eigentlich dachte ich das zuvor schon lange, aber ich hatte schlicht seine Beratung nicht mehr in Anspruch genommen. Vor Wiederaufnahme meines Berufs habe ich einen neuen Psychiater gesucht, aber ohne Erfolg. Ich habe den Fehler gemacht, die Suche nicht fortzusetzen. Jedenfalls habe ich zur Zeit keinen behandelnden Psychiater.
Ich nehme zur Zeit keine Antidepressiva. Meine vordergründige Erklärung war und ist, dass ich bei allen Medikamenten – das Trevilor eingeschlossen, das ich fast drei Jahre genommen habe – keine dauerhaft positive Wirkung beobachten konnte: Meine Rückfälle kamen und gingen trotz ununterbrochenener Einnahme. (Es gibt einen wesentlich schwerwiegenderen und für Dritte vermutlich leichter nachvollziehbaren Grund, der mit den Nebenwirkungen der Medikamente zusammenhängt, über den ich hier aber (jetzt noch) nicht schreiben will.)
Meine Therapiestunden sind aufgebraucht. Eine Verlängerung ist ausgeschlossen. Immerhin kann mir meine Therapeutin Privattermine anbieten, falls ich sie im Notfall benötige, aber die müsste ich dann selbst bezahlen.
Die Krankenkasse könnte bereit sein, eine Therapie in einer anderen akzeptierten Therapieform zu finanzieren, das kann dann nur eine Psychoanalyse sein. Dazu muss ich einen Therapeuten finden, der kurz- oder zumindest mittelfristig auch überhaupt einen Platz für mich hat. Eine Psychoanalyse bedeutet für beide Seiten, drei bis vier einstündige Termine pro Woche unterbringen zu müssen. Meine Hausärztin meinte, es sei nicht zu erwarten, dass ich das neben einem Beruf durchhalten würde.
Meine “Eigentherapie” habe ich über die Arbeit “vergessen” fortzusetzen: Die Meditationsübungen sind die letzten Wochen immer seltener geworden, bis ich sie gar nicht mehr gemacht habe, weil ich sie in depressiver Stimmung nicht ertragen habe. Laufen war ich zunächst wegen des Wetters nicht, dann, weil ich mich nicht motivieren konnte.
Ich muss mich trotz besserem Wetters zwingen, das Haus zu verlassen, zum Beispiel um mich zu zwingen, etwas zu Mittag essen zu gehen, trotz völliger Appetitlosigkeit. Schlaf ist weder erholsam noch leicht zu finden.
Mein Problem ist, dass ich wohl den Glauben daran verloren habe, dass mir jemand oder etwas helfen könnte. Mich selbst eingeschlossen: Ich traue mir schon lange nicht mehr.
…
Ich versuche mal, etwas essen zu gehen.
März 27th, 2010, 8:31 Uhr
wie wäre es, wenn du zu Gesprächen in die nächstgelegene Psychiatrie gehst, die haben meist auch eine Ambulanz und dort viel Psychiater und Psychologen. Dort habe ich auch schnell einen Termin bekommen und gehe so alle 14 Tage hin.
Einen Psychiater habe ich auch nicht mehr, die wirken irgendwann lustlos, wenn man schon fast alle Pillen durch hat und nix hilft.
März 28th, 2010, 23:42 Uhr
Danke für den Ratschlag. Ich weiss prinzipiell von der Möglichkeit, z.B. am UKE, aber ich hoffe immer noch, dass sich ein Psychiater finden lässt, den seine Arbeit noch interessiert und seine Patienten noch nicht wie am Fließband behandelt.
März 29th, 2010, 22:37 Uhr
Ohne die Qualität oder Sinnhaftigkeit beurteilen zu können – am Ochsenzoll gibts das auch. Quasi ein Katzensprung von der Arbeit, wenn das denn eine Perspektive sein sollte.
http://www.asklepios.com/klinikumnord/html/fachabt/psych3/akutpsychiatrie/pia.asp