Zeitumstellung
2 Uhr werde ich wach erleben. Die Uhren, die zu dumm sind, sich selbst zu stellen, kann ich gleich selbst richtigstellen.
Ich wünschte, das gelänge mir mit mir selbst.
Ich jedenfalls gehe nicht mehr richtig. Ganz offensichtlich bewegt sich ein Teil von mir weit in der Vergangenheit. Der andere Teil fürchtet sich vor der Zukunft.
Es ist tatsächlich so, die Zeit vergeht die letzten Tagen anders. Sie verrinnt nicht, sie verschwindet, springt, oder bleibt stehen. Vielleicht liegt es daran, dass mein Gedächtnis sich weigert, sich an Stunden sinnlosen Dahinvegetierens zu erinnern, wenn ich wie jetzt, inzwischen mitten in der Nacht, ein wenig wacher werde. Wenn ich plötzlich etwas will nach all dem Weder-Wollen-Noch-Können, sei es etwas Essen, weil ich den Hunger wieder spüre, oder Schreiben, weil ich wieder – denken kann.
Wenn ich Psychiater anrufe oder anschreibe, habe ich immer mein Notizbuch bei mir liegen, damit ich nachsehen kann, falls ich eine Jahreszahl brauche oder einen Zeitraum. Ich habe die Zahlen schon so oft wiederholt, und meine Erinnerung versagt dennoch ihren Dienst.
Es ist Zeit, die Uhr zu stellen.