Es geht – langsam – voran

Auf die Frage von vorgestern gab es eigentlich nur eine mögliche Antwort, die ich beim Schreiben bereits kannte. Doch ich wollte erst sehen, ob ich am nächsten Morgen wirklich über meinen eigenen Schatten springen können würde. Und ich konnte. Nach kurzen vier Stunden Schlaf bin ich Donnerstag um 9 Uhr zur Psychiatrischen Institutsambulanz des Schön Klinikums Hamburg-Eilbek aufgebrochen.

Dort nahm man meine Probleme entgegen meinen Befürchtungen ernst, ohne mich gleich für völlig irre zu erklären und in eine Gummizelle zu stecken (so meine völlig irrationale Angst vor psychiatrischen Kliniken). Das Gespräch mit der Psychologin, die an diesem Tag die akuten Fälle betreute, war bereits eine Hilfe, auch wenn es letztendlich “nur” auf eine x-te Rekapitulation meiner Krankengeschichte hinauslief.

Es war auch beruhigend, aus professionellem Mund bestätigt zu bekommen, dass meine Situation tatsächlich verfahren ist, dass die Wartezeiten für Termine bei Psychiatern tatsächlich bei zwei bis drei Wochen liegen, dass ich mich also nicht nur dumm “anstelle”. Dass mein Absetzen der Antidepressiva vergangenes Jahr akzeptiert wird, wenn ich die Hintergründe dafür erläutere. (Und es gibt einen triftigen Grund, über den ich hier noch nicht geschrieben habe und den auch Freunde nicht kennen. Es liegt am Ende der Skala der Dinge, über die man ich reden und erst recht schreiben will – nur soviel an dieser Stelle.)

Auch die Ambulanz ist mit der regelmäßigen Betreuung von Patienten überlastet. Auch hier gäbe es erste offizielle freie Termine erst in drei Wochen wieder. Um so fairer, mir einen festen zweiten Termin in der normalen Sprechzeit nächste Woche zu geben.

Darüber hinaus hat man mir zur Überbrückung bis zur Behandlung durch einen neuen Psychiater meines Vertrauens ein neues Antidepressivum gegeben, das ich gestern Abend zum ersten Mal genommen habe: Valdoxan (Wirkstoff Agomelatin), 25 mg. Das Medikament ist erst seit Februar 2009 in Europa zugelassen, ich bin also – vorsichtig ausgedrückt – gespannt, ob und wie es Wirkung zeigt. (Ich kann mir nicht verkneifen zu erwähnen, dass die Psychologin sich entschuldigte, dass es wirklich nur Zufall sei, dass ein Taschentuch-Spender mit der Werbung für Valdoxan auf dem Tisch steht.)

Der Sprung über den Schatten bestand eben auch darin: Nochmal “blind” den Worten der Spezialisten Glauben zu schenken. Denn etwas anderes geht jetzt eben nicht. An der Klinik habe ich nun immerhin einen Ansprechpartner sowohl für den Notfall als auch regulär für die Zeit, in der ich noch meine endgültige Vertrauensperson in Sachen Psychiatrie suche. Das zu wissen ist mir auch schon viel wert.

Jetzt entschuldigt mich, Wetter und Krankheit fordern, dass ich an die frische Luft gehe – was immer ich da auch tun soll…


Eine Antwort an “Es geht – langsam – voran”

  • Jenny Schreibt:

    I’m glad you got this break – and I’m happy to see the glimpse of hope it seems to have given you. Yay! I’m crossing everything I have this is the start of good things to come.

    As for ssri I don’t know why you gave them up, but I know why I will never go near them again. They have been thought of as the answer to everything for a long time – “happy pills” to take away all pain and sorrow. In Sweden many go to the doctor with depressional symptoms, and go home with a prescription for SSRI, and that’s about it, because there are no therapists to take on the REAL issue. But SSRI is NOT the answer to depression, not for everybody – and not for depression that isn’t just… I don’t know, some temporary lapse in energy levels, perhaps.

    But signal substances of the brain are a wee bit more complex than just “depression –> SSRI”. I think I’ve mentioned this book to you before: http://www.amazon.com/Balance-Your-Brain-Life-Feeling/dp/0471374229 – but I keep coming back to it. I’d lend mine to you if it wasn’t that I only have a Swedish copy that won’t do you much good… ;-) But just read the “Look-inside”-pages on Amazon, they are quite interesting. (I don’t give much for the “program” they are presenting, but the theory section is very interesting – and gave me more insights than most psychiatric doctors I’ve met so far seemed to have between them… (Says something of the doctors I’ve had, but still…!)

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