Anstrengungen

Es gelingt mir nicht, meine Gedanken zuende zu führen. Ich versuche sie durch den Schreibprozess in Ordnung zu bringen, aber es gelingt mir nicht, die Brüche zu kitten, die losen Enden auf irgendeinene Weise zu verknüpfen. Ich verliere auch immer wieder den sprichwörtlichen roten Faden. (Und schon möchte ich mich wieder bei Wikipedia verlieren…)

Nun, ich will aber auch nicht aufgeben, ich weigere mich, der Unvollständigkeit der Gedanken nachzugeben. Wenn ich nicht wenigstens ein paar Worte hier verlieren kann…

  • Als ich vorhin von der Pflichtaufgabe, mir eine weitere Überweisung vom Hausarzt ausstellen zu lassen, wieder nach Hause kam, stellte ich fest, wie erschöpft ich war. Ich wollte im Prinzip in mir zusammenfallen. Um das nicht zu tun, habe ich getan, was ich dann immer tue: Den Rechner angeschaltet, und mich von den Gedanken und Bildern anderer ins wirre weltweite Netz forttragen lassen. Dasselbe war schon letzte Woche und gestern wieder zu beobachten. Ich komme nach Hause, als hätte ich einen vollen Arbeitstag hinter mir. Was strengt mich so an?

  • Es ist auf gewisse Weise beruhigend, beobachten zu können, dass eine bisher unbeteiligte Therapeutin dieselben Einschätzungen trifft wie ihre Vorgängerinnen. Zumindest hat man den Eindruck, wenigstens die Statistik habe man auf seiner Seite: 90% der befragten Therapeutinnen meinen… – Es ist in etwa so beruhigend wie es verwirrend ist, von verschiedenen Ratgebern immer wieder neue Behandlungsempfehlungen zu erhalten.

  • Ich hatte also gestern einen weiteren Termin in der Ambulanz des Klinikums Eilbek. Und konnte feststellen, wie das Gespräch bald denselben Weg nahm wie in mehreren Erstgesprächen zuvor, mit denselben Beobachtungen, was meine Trigger angeht und die Ursachen, die sie haben. Es ging soweit, dass sich die Therapeutin an einer Stelle entschuldigte, dass ich was sie gerade sagte sicher schon unzählige Male zuvor gehört haben müsse. Ich meinte, ich könne die Erinnerung durchaus mal wieder gebrauchen.

  • Ein anderes Gespräch stellte meinen irgendwie irgendwann schon vorgefassten Plan, mich einer Psychoanalyse zu unterwerfen, wieder in Frage. Eigentlich, indem genau die Punkte angeführt wurden, die mich schon früher einer Psychoanalyse gegenüber haben skeptisch sein lassen. Interessant war die Meinung meines Gegenübers, er sehe die Zunft der reinen Psychoanalytiker aussterben. In Zukunft gäbe es nur noch Psychotherapeuten, die in mehreren Therapieformen gleich gut ausgebildet seien, und Ihre Therapie den Bedürfnissen der Patienten anpassten. Eigentlich stellt man sich doch die Frage, warum das nicht schon längst so ist?

  • Sonntag Abend bin ich im Fernsehen in der Sendung Titel, Thesen, Temperamente auf einen spannenden Beitrag über ein neu erschienenes Buch von Dan Everett unter anderem über die Rolle der Sprache für Psyche und Gesellschaft gestoßen. Ich musste an das denken, was zwei Freundinnen unabhängig voneinander via Email über Ihre Wahrnehmung meiner Blogeinträge und Emails, oder kurz: meiner Sprache gesagt haben. Irgendwie geht es im Prinzip eben darum – wie es ein Titel einer Kritik dieses Buchs bei Psychology Today formuliert: den Verlust der Sprache des Glücklichseins.


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