Apr 15 2010

Weiterstolpern

Freunde und ein Berater der Krankenkasse haben mich auf die Ambulanz des Universitätsklinikum Hamburg aufmerksam gemacht, bei der ich mich heute vorgestellt habe. Das ca. dreiviertelstündige Gespräch mit einem Psychiater der Ambulanz hat mich an einigen Stellen gewissermaßen vor den Kopf gestoßen. Ich schaffe es heute nicht mehr, die Dinge in irgendeinen sinnigen Textfluß zu zwingen, deshalb greife ich wieder zu Stichpunkten:

  • Meine Medikation hat er als sinnvoll bestätigt, das Valdoxan als gutes Medikament bezeichnet. Allerdings sei meine bisherige 25mg-Dosierung nur für schwache Depressionen sinnvoll. Ich soll sie ab heute Abend auf 50mg erhöhen.
  • Er sieht natürlich die Notwendigkeit, einen festen Psychiater zu haben, aber hat mir alle Hoffnungen genommen, dass er mir viel weiterhelfen wird: Bis auf das Erstgespräch stünden Psychiatern für Folgegespräche tatsächlich lediglich zehn Minuten zur Verfügung. Mehr als um die Kontrolle der Medikation könne es nicht gehen.
  • Die aktuellen Wartezeiten für einen Therapieplatz hat er auf drei bis sechs Monate beziffert.
  • Für mich hielt er einen (Tages-)klinischen Aufenthalt für sinnvoll, mit tiefenpsychologischem Ansatz möglichst. Ich habe mich heute schon an den Ginsterhof gewandt. Wartezeiten sieht er aber auch bei mehreren Monaten – ich erinnere mich an 2006, da war es auch über ein Vierteljahr.

Ich merke erst jetzt gegen Abend, was die Schlussfolgerungen aus diesem Gespräch für eine Wirkung auf mich gehabt haben: Dass ich nämlich weitermachen muss wie bisher, ohne Anhaltspunkte Therapeuten durchtelefonieren, und schließlich nur noch warten, bis irgend jemand Zeit hat, mir richtig zuzuhören.

Und ich kann nicht arbeiten gehen. Ich dachte, es geht mir besser, aber ich musste heute beobachten, wie mir schon die erste nichtalltägliche Aufgabe in kürzester Zeit über den Kopf steigt – und mich auf völlig irrationale Weise zu überwältigen droht. Das einzige, was ich zur Zeit will und kann ist diese angestaute Hoffnungslosigkeit rausschreien, die sich in mir breit macht, aber es bleibt noch immer nur ein stummer Schrei.

Ich habe Angst. Ich habe Menschen kennengelernt, die den Weg nicht geschafft haben, die von Klinikaufenthalt zu Klinikaufenthalt gepilgert sind… Ich will das nicht. Ich kann doch (meistens) noch klar denken. Ich habe es schonmal geschafft, ich kann ein gutes, spannendes, ereignisreiches Leben leben. Verdammt, ich will mein Leben zurück!


Apr 15 2010

Blind

Es ist, als würde jemand willkürlich mein Augenlicht an- und ausschalten. Ich nehme mir vor, von A nach B zu gelangen, und mitten auf dem Weg wird es dunkel. Ich versuche mich an den geplanten Weg zu erinnern, aber je ferner das Ziel, desto weiter komme ich vom Weg ab. Wenn ich stolpere oder gegen ein Hindernis laufe, fällt es mir schwer einzuschätzen, wie groß es ist. Kann ich es umgehen, einfach überwinden, muss ich aufgeben? So reibe ich mich an den kleinsten Dingen auf.