Gestern, Heute, Morgen

Gestern war mein erster Psychotherapietermin unter der neuen Voraussetzung, dass sie so auch fortgesetzt wird. Mein Start in den Tag hatte unter dem Eindruck der nur noch vage bewusst erinnerten Alpträume der Vornacht gelitten, und von dort aus kamen wir zwangsläufig auf meine Schulzeit zu sprechen, meine familiären Probleme (deren Kern ich hier demnächst irgendwie erläutern will, muss, sollte… den ich hier irgendwie loswerden will, irgendwie – irgendwann). Das Problem für mich war, dass ich all dies schon in meiner vorigen Therapie erzählt hatte, und auch dieselben Reaktionen der Therapeutin bekam. Alles erschien mir wie ein Déjà Vu, und es fiel mir schwer, nach ehrlichen Worten zu suchen. Als ich ging, noch vor den Kopf gestoßen vom überraschenden Terminende, war ich verärgert, weiss aber nicht, ob es vielleicht eine Abwehrreaktion war darauf, dass ich meine Schutzmauern einmal mehr aufreißen sollte, oder, wie ich mir einbildete, dass ich dies ja schon alles hinter mir habe – was solle also Neues daraus entstehen? Ich habe tatsächlich Angst, dass diese Therapieform wirklich zu nah an dem ist, was ich bereits über zweieinhalb Jahre erfahren habe, dass mich diese Erfahrung nicht weiterbringen wird…

Heute erschien mir die Welt wieder in einem anderen Licht. Vielleicht, weil mich nicht schon in der Nacht die Vergangenheit eingeholt hatte. Es blieb jedenfalls so, weil es mir gelang, den Tag im Jetzt zu verbringen: Es gab Dinge zu tun, Termine einzuhalten, aber auch einfach den Sonnenschein zu genießen, spazierenzugehen. Ich hatte sozusagen den ganzen Tag über meine kleinen Zen-Momente. Ein guter Tag, den ich mit einem völlig überflüssigen Spaziergang von 45 Minuten durch den Stadtpark um 21 Uhr abgerundet habe.

Morgen ist ein neuer Tag. Zukunft, die mir Angst macht. Denke ich an Morgen, denke ich an Arbeit, an Geld, Erfolg, Rente, Familie, Ziele, nicht erreichte Ziele, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Altenheim. An Morgen zu denken geht zur Zeit nicht, es schadet mir. Irgendwann ist es nicht mehr vermeidbar, aber zur Zeit muss ich auf mich aufpassen. Ich denke wieder an Morgen, wenn es soweit ist.


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