Merkwürdige Geburtstage (1)
Heute ist übrigens auch Towel Day. Und was lernen wir daraus?
Heute ist übrigens auch Towel Day. Und was lernen wir daraus?
Das letzte Mal, als ich auf die Uhr blickte, war es 16:31. Davor war es etwa halb zwei gewesen, als ich das tat. Nun ist es Einunzwanziguhrvierunddreißig. Ich habe vergessen, vernünftig zu essen – um 16:31 Uhr ein Stück gestern geholter Kuchen. Kaum getrunken, Kaffee heute morgen, Tee zum Kuchen.
Ich habe acht Stunden praktisch ununterbrochen geschrieben. Nur den schwarzen Bildschirm mit einer Spalte grünen Text vor Augen habe ich fast ohne nachdenken zu müssen aus den Terminen und Notizen in meinem Jahrebuch einen Abriß meines Lebens für meine Therapeutin erstellt. Mein Leben in 25.476 Zeichen, 4.348 Worten und 100 Absätzen. (Vor dem Redigieren.)
Ich glaube, das habe ich mal gebraucht. Wie passend, so kurz vor meinem Geburtstag.
Warum ich das hier immer erst auf den letzten Drücker zusammenschreibe? Ist jedenfalls einmal mehr einigermaßen gutgegangen.
Schönen Pfingstsonntag.
Heute war ein guter Tag, obwohl er nach Alpträumen und unruhigem Schlaf nur schlecht und viel zu spät begonnen hatte. Aber Sonnenschein und der anstehende abschließende Vorgesprächstermin bei der Psychoanalytikerin trieben mich kurz nach eins aus dem Haus. Die Zeit bis zur Therapie verbrachte ich mit Spaziergängen und Kaffeetrinken, vor allem aber nochmal damit, mir selbst zu versichern, dass meine Entscheidung richtig sei.
Denn Dienstag waren die Würfel gefallen. Bei meinem wie sich dann herausstellen sollte letzten Gesprächstermin in der Ambulanzklinik konnte ich feststellen, dass die Distanz, die ich zu der Therapeutin aufgebaut hatte – die Gründe davon kann ich nicht wirklich in Worte fassen – nicht überwinden konnte, oder eigentlich: wollte. Erneut hatte ich das Gefühl, die Gespräche ähnelten zu sehr meiner vorigen Therapie. Darauf angesprochen unterstützte mich die Therapeutin bei der Entscheidung, mich auf die Psychoanalyse konzentrieren zu wollen. Sie ließ mir die Chance, in Notfällen ansprechbar zu bleiben, machte aber in meinem eigenen Interesse klar, dass die Entscheidung damit gefallen sei und es kein Zurück mehr gäbe.
Für diesen weisen “Tritt in den Arsch” bin ich ihr dankbar. Ich hatte zuletzt geschrieben, dass die Ungewissheit um meine Weiterbehandlung mich beunruhigen würde – und nachdem die Entscheidung nun gefallen war, fühlte ich mich umgehend erleichtert.
Mein etwas gebessertes Selbstvertrauen kam heute auch bei der Psychoanalytikerin an, und wir wurden uns einig, dass eine stationäre Klinikbehandlung nicht mehr notwendig, auch nicht unbedingt hilfreich sei. Sie würde mich als Patient aufnehmen wollen. Jetzt gilt es, die bürokratischen Hürden zu nehmen: Wegen der gerade erst beendeten Vortherapie muss der Therapieformwechsel zunächst von einem Gutachter, äh, begutachtet werden, um als aussichtsreiche Weiterbehandlung der Krankenkasse gemeldet zu werden, damit dann die Gelder dazu bewilligt werden. Ich mache mir deshalb aber (fast) keine Sorgen.
Nach langer Zeit des Umherirrens und des (laut der Therapeutin des Klinikums ungewöhnlich umfangreichen) Abwägens verschiedenster Behandlungsoptionen habe ich jetzt erstmals wieder das Gefühl, etwas bewegt sich – und zwar nicht nur im Kreis, sondern tatsächlich zielgerichtet vorwärts.
Auch wenn ich keine Ahnung habe, wohin mich dieser Weg letztendlich führen wird.