In der Warteschleife

Die Erleichterung darüber, praktisch alles mir Mögliche für meine weitere therapeutische Weiterbehandlung getan zu haben, hat sich in eine erschreckende Leere verwandelt.

Was für andere gerade angesichts der Sonnentage letzte Woche ein erstrebenswerter Zustand sein muss, die Abwesenheit jedweder Pflichtaufgaben, hat bei mir eine Art Stress ausgelöst. Der kategorische Imperativ Carpe Diem! versetze mich jeden Tag aufs Neue in Panik. Tu was! Erleb was!

An mehreren Tagen liege ich in der Sonne und versuche mich zu zwingen, mich zu entspannen. Wie lächerlich.

Ich habe versucht, dagegen anzurennen, wortwörtlich, wenn schon das Meditieren unmöglich scheint, dann vielleicht “mit Gewalt” – ohne Ergebnis. Ich bin ziellos durch die Straßen gewandert, in der Hoffnung, das Leben der Anderen könnte mich aufwecken – erfolglos.

Sonntag machte mein Kreislauf schlapp. Kopfschmerzen. Übelkeit. Es mag die Hitze gewesen sein. Das falsche Essen. Der Kaffee nach drei Tagen selbstverordneter Koffeinabstinenz. Vielleicht war es der abschließende Versuch meines Körpers, mich darauf aufmerksam zu machen, dass ich mich zum Leben nicht zwingen kann…

Seitdem verfolgen mich die Kopfschmerzen, Kieferprobleme, meine Muskeln sind dauerverkrampft. Appetitlosigkeit.

Aber mein Gejammer geht mir auch gegen den Strich, es hilft niemandem. Eine Mischung aus Pflichtübung und Selbstbestrafung. Das will ich eigentlich nicht, aber es ist das einzige, was an diesem Leben zur Zeit bemerkenswert ist. Ein Leben in der Warteschleife.


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