Es geht weiter
Das Leben will offenbar gerade, dass ich einmal mehr – oder besser: endlich – lerne, mit den Widersprüchlichkeiten im Leben umzugehen. Vor wenigen Stunden saß ich bei meiner Therapeutin und habe ihr mir eingestanden, dass es mir wieder schlechter geht – und es will etwas heißen, dass ich offen sage, es gehe mir wirklich schlecht. Jetzt stehe ich an meinem etwas improvisierten Arbeitspult am PC und betrachte mit Erstaunen die Kurve der Besucherzahlen meines zuletzt so schweigsamen Blogs, die über das Wochenende steil angestiegen ist.
Der Grund ist offensichtlich das Feedback auf die Spiegel TV-Doku vom Samstag Abend.
Auf der einen Seite freue ich mich über jeden Besucher. Aber in diesem Kontext kann ich nur annehmen, dass die von der Sendung Angesprochenen im Internet unterwegs sind, um Hilfe und Unterstützung zu suchen, Ansprechpartner, Details – weil sie – Sie? – sich oder einen Freund, Bekannten, Verwandten in der Sendung “wiedergefunden” haben.
Wenn dem so ist, wenn Sie erstmals hierher gefunden haben:
Lesen Sie bitte die Hinweise für Betroffene.
Unter “Depression” im Internet finden Sie Links zu weiteren Seiten mit Informationen zum Thema.
Wenn Sie darüber hinaus in diesem meinem Blog weiterlesen wollen, freue ich mich natürlich.
Aber da ist sie, die Widersprüchlichkeit: Es fällt mir schwer, “freuen” zu schreiben, wenn ich annehmen muss, dass es Ihnen vielleicht nicht anders geht als mir. Mit einem einfachen Wort: schlecht. Vielleicht schlechter. Ich habe genug über mich und die Krankheit gelernt, um zu wissen, dass diese Skala noch weit nach unten reicht, bis zum gar nichts mehr fühlen – und etwas darüber hinaus.
Ich kann und will für Ihren Zustand mit dem, was ich hier schreibe, keine Verantwortung übernehmen. Deshalb die schon erwähnten Hinweise für Betroffene. Alles, was ich hier bieten kann, ist ab und an ein Einblick in meine persönliche Misere, in der vagen Hoffnung, dass vielleicht ein “Ich bin nicht allein damit.” Trost spendet. Dass die ein oder andere Erfahrung oder Meinung, die ich hier teile, vielleicht doch weiterhilft. Dass gemeinsames Nachdenken über diese Krankheit ein Bewusstsein dafür schafft, was mit einem passiert, um zu der Erkenntnis zu kommen…
…an die ich mich gerade heute nach einer schweren letzten Woche selbst erinnern musste. Wegen der ich dieses Blog begonnen habe – um sie nicht zu vergessen…
Es geht weiter!
Und auch wieder bergauf. Irgendwann, wenn auch nicht von jetzt auf gleich. Ich habe es schon selbst erlebt. Tja, ich bin gerade wieder zurück an einem Tiefpunkt – glauben Sie mir, ich wünschte, ich hätte mit dem vorigen Satz aufhören können – aber ich erinnere mich, wohin ich gehöre, wie das Leben auch aussehen kann, wenn man die Mauer der Depression einmal durchbrochen hat. Und da finde ich wieder hin, koste es was es wolle! Und das schaffen Sie auch – oder Ihr Lebensgefährte, Ihr Freund/Ihre Freundin, Ihr Kind oder Ihr Vater/Ihre Mutter! Lassen Sie sich dabei helfen.
Vielen Dank für den Besuch. Passen Sie auf sich auf. Ich verspreche auch, ich tue dasselbe für mich.