Nov 10 2010

Eins nach Enke

Um es vorwegzunehmen: Die sich hinter den folgenden Links verbergenden Artikel aus der vergangenen Woche, in der Vielzahl von heute, die sich mit dem Thema Depression, Gesellschaft und die Wirkung des Suizids von Robert Enke vor einem Jahr beschäftigen – ich habe sie im besten Fall nur quergelesen. Ich möchte mich damit nicht wirklich auseinandersetzen. Wer will das schon? Vermutlich ist mit dieser Frage auch schon alles zur Problematik der medialen Verarbeitung von Enkes Schicksal gesagt.

Ich habe meinen erweiterten Grund, warum ich die Artikel jetzt nicht lesen will: Ich könnte mich an so Vielem festbeißen, mich mit den Details auseinandersetzen… Vielmehr: Lese ich, muss ich es auch. Es führt sofort zu Wut und darauf Frustration, weil ich an der Wahrnehmung und den kolportieren Halbwahrheiten zu der Krankheit letztendlich nichts ändern könnte. Allein so ein Satz wie…

Da, ich fange schon wieder an, beim ersten Artikel, den ich verlinken wollte. Nein, später einmal, wenn ich begriffen habe. Im Kontext.

Ich lasse Euch also mit den Artikeln für den Moment allein:

Die AFP fasst zusammen: Enke’s suicide changed little – und liefert aber auch die gute Nachricht:

“A former world-class athlete recently said in an interview that he was saved because his family heard about Enke and saw similar symptoms in him,” said Gebauer.

Aufmerksamkeit hilft.


Okt 26 2010

T minus 385 Tage

Heute Morgen habe ich schließlich erfahren, mit wie viel wenig mit welchem Eurobetrag ich ab dem 21. November auskommen soll. (Er entspricht ganz grob gerechnet 50% meines Nettogehalts.) Anspruch darauf habe ich 360 Tage, anschließend müsste ich nähere Bekanntschaft mit Herrn Hartz dem Vierten machen.

Es sei denn, ich werfe die Flinte ins Korn und lasse mich auf Zeit verrenten, was in meinen Augen dem Eingeständnis gleichkommt, dass ich mich selbst für dauerhaft arbeitsunfähig erkläre. Soweit bin ich noch nicht, auch wenn die Zahlen in Form angehäufter Krankheitstage angeblich anderes beweisen sollen. Ich habe auch 2007 in einer schwierigen Lage wieder erfolgreich in den Beruf zurückgefunden, und ich weiß, dass ich das wieder kann, wenn ich die Umstände, nun ja, “geradegerückt” habe.

Unterstützung bei dem Versuch habe ich heute – eigentlich wie erwartet – bei der Agentur für Arbeit wieder nicht bekommen. Bevor man mit mir redet, muss man wohl erst noch eine passende Schublade bestimmen, in die meine Akte gehört: Dem zuständigen Sachbearbeiter muss zunächst das Gutachten des MDK veorliegen, ehe er mit mir redet. Offenbar ist mir eine Beschreibung meiner eigenen Lage nicht zuzutrauen…

Die vergangene Woche war ich noch wie unter Watte begraben, regungslos, bewegungsunfähig, emotionslos, nur Schatten konnte ich um mich rum wahrnehmen. Gestern hat mich etwas wachgerüttelt. Heute spüre ich wieder so etwas wie Wut. Aber es ist mir auch egal, was ich fühle, solange ich wieder fühle.

Und nun, wie weiter?


Okt 25 2010

Es geht weiter

Das Leben will offenbar gerade, dass ich einmal mehr – oder besser: endlich – lerne, mit den Widersprüchlichkeiten im Leben umzugehen. Vor wenigen Stunden saß ich bei meiner Therapeutin und habe ihr mir eingestanden, dass es mir wieder schlechter geht – und es will etwas heißen, dass ich offen sage, es gehe mir wirklich schlecht. Jetzt stehe ich an meinem etwas improvisierten Arbeitspult am PC und betrachte mit Erstaunen die Kurve der Besucherzahlen meines zuletzt so schweigsamen Blogs, die über das Wochenende steil angestiegen ist.

Der Grund ist offensichtlich das Feedback auf die Spiegel TV-Doku vom Samstag Abend.

Auf der einen Seite freue ich mich über jeden Besucher. Aber in diesem Kontext kann ich nur annehmen, dass die von der Sendung Angesprochenen im Internet unterwegs sind, um Hilfe und Unterstützung zu suchen, Ansprechpartner, Details – weil sie – Sie? – sich oder einen Freund, Bekannten, Verwandten in der Sendung “wiedergefunden” haben.

Wenn dem so ist, wenn Sie erstmals hierher gefunden haben:

Lesen Sie bitte die Hinweise für Betroffene.

Unter “Depression” im Internet finden Sie Links zu weiteren Seiten mit Informationen zum Thema.

Wenn Sie darüber hinaus in diesem meinem Blog weiterlesen wollen, freue ich mich natürlich.

Aber da ist sie, die Widersprüchlichkeit: Es fällt mir schwer, “freuen” zu schreiben, wenn ich annehmen muss, dass es Ihnen vielleicht nicht anders geht als mir. Mit einem einfachen Wort: schlecht. Vielleicht schlechter. Ich habe genug über mich und die Krankheit gelernt, um zu wissen, dass diese Skala noch weit nach unten reicht, bis zum gar nichts mehr fühlen – und etwas darüber hinaus.

Ich kann und will für Ihren Zustand mit dem, was ich hier schreibe, keine Verantwortung übernehmen. Deshalb die schon erwähnten Hinweise für Betroffene. Alles, was ich hier bieten kann, ist ab und an ein Einblick in meine persönliche Misere, in der vagen Hoffnung, dass vielleicht ein “Ich bin nicht allein damit.” Trost spendet. Dass die ein oder andere Erfahrung oder Meinung, die ich hier teile, vielleicht doch weiterhilft. Dass gemeinsames Nachdenken über diese Krankheit ein Bewusstsein dafür schafft, was mit einem passiert, um zu der Erkenntnis zu kommen…

…an die ich mich gerade heute nach einer schweren letzten Woche selbst erinnern musste. Wegen der ich dieses Blog begonnen habe – um sie nicht zu vergessen…

Es geht weiter!

Und auch wieder bergauf. Irgendwann, wenn auch nicht von jetzt auf gleich. Ich habe es schon selbst erlebt. Tja, ich bin gerade wieder zurück an einem Tiefpunkt – glauben Sie mir, ich wünschte, ich hätte mit dem vorigen Satz aufhören können – aber ich erinnere mich, wohin ich gehöre, wie das Leben auch aussehen kann, wenn man die Mauer der Depression einmal durchbrochen hat. Und da finde ich wieder hin, koste es was es wolle! Und das schaffen Sie auch – oder Ihr Lebensgefährte, Ihr Freund/Ihre Freundin, Ihr Kind oder Ihr Vater/Ihre Mutter! Lassen Sie sich dabei helfen.

Vielen Dank für den Besuch. Passen Sie auf sich auf. Ich verspreche auch, ich tue dasselbe für mich.


Okt 16 2010

Fernsehnachricht

Nächsten Samstag, am 23. Oktober, wird sich Spiegel TV ab 20:15 auf dem Sender VOX knapp vier Stunden unter dem Titel Wenn die Seele Trauer trägt dem Thema Depression widmen. Es wird damit meines Wissens nach die umfangreichste Auseinandersetzung mit dem Thema im Deutschen Fernsehen bisher sein (korrigiert mich, wenn ich mich irre).

Aus der Beschreibung von SPIEGEL TV [Link aktualisiert von TV-Info-Text auf offizielle Seite am 20.10.10]:

SPIEGEL TV porträtiert Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen in eine Situation existentieller Not und Auseinandersetzung mit sich selbst geraten sind und die Krise überwunden haben. Schwerpunkt des Films ist eine Langzeitstudie, für die SPIEGEL TV betroffene Männer und Frauen über Monate und Jahre begleitet hat und ein Bild ihrer Lebenswege durch sämtliche Höhen und Tiefen zeichnet.

Zudem äußern sich mehrere Prominente in Interviews zu ihren Erfahrungen mit Depressionen und Burn-Out, als da wären (wieder laut obigem Pressetext): Sven Hannawald, Jörg Neblung (Freund und Berater von Robert Enke), Sarah Kuttner, Hartmut Engler, Gunter Gabriel, Borwin Bandelow, Miriam Meckel (schrieb das Buch Brief an mein Leben über Burnout), Andreas Biermann

Full disclosure (deutscher Begriff dafür? “Für’s Protokoll” vielleicht?): Ich bin mit der Autorin der Dokumentation befreundet.