Nov 24 2010

In der Tagesklinik (Tag 8): Personalprobleme

Auch Ärzte und Therapeuten sind mal im Urlaub oder werden krank. Die Disziplin, solche plan- und unplanbaren Ereignisse soweit vorauszusehen, dass die anfallenden Aufgaben trotzdem vollständig erledigt werden können, nennt man Personalplanung.

Ich will, kann und darf der Tagesklinik Ulmenhof nicht vorwerfen, dass sie von dieser Disziplin wohl noch nichts gehört hätte, auch wenn ich mich des Eindrucks doch nicht wirklich erwehren konnte: Innerhalb der sieben Tage, die ich nun dort bin, sind bereits mehrere Behandlungsstunden ausgefallen. Die Art und Weise, wie diese Ausfälle uns, den Patienten, mitgeteilt wurden, ließ auch nicht unbedingt darauf schließen, dass man geordnet auf die Lage reagierte oder reagieren konnte. Eigentlich deutet alles darauf hin – und dabei denke ich auch an eine Äußerung aus “informierten Kreisen” – dass es nur eine Erklärung dafür gibt: Akute Personalnot.

Ich wollte eigentlich irgendwie diese “Personalprobleme” mit denen verknüpfen, die just in der heutigen Gruppentherapie geschildert wurden, doch es gelingt mir nicht. Zuletzt weiß ich doch zu wenig, und die Härten, die einzelne von uns im Beruf erlebt haben, sind so viel komplexer, als dass ich sie hier mal eben zu einem geschlossenen Gesellschaftsbild zusammenfügen kann. Nur, weil ich einen mehrdeutigen Titel für sinnig gehalten habe, kann ich mir die Sache nicht so zurechtreimen, dass sie zu dem Titel passt. Ich bin ja nicht die Bild!

Was bleibt ist die Wut, die einem in der Magengegend hängenbleibt, wenn man vage die Zusammenhänge begriffen hat und merkt, dass man ihr Opfer ist, ohne sie völlig beschreiben, geschweige denn ändern zu können. Da hängen sie nun alle in meinem Kopf, Begriffe wie Privatisierung, Personalmangel, Burn-Out, freiem Wettbewerb, Gesundheitspolitik, Fehlplanung… Und am Ende kann ich doch nur eins mit Bestimmtheit sagen: Dass man mir gesagt hat, dass ich doch zwei Wochen länger als die üblichen sechs Wochen bleiben solle, und ich mir jetzt eigentlich sicher bin, dass dies nun gar nichts mit meinem Zustand zu tun hat – sondern mit dem Zustand der Klinik. Und dem der Gesundheitspolitik. Des “Marktes”. Der Gesellschaft…


Nov 13 2010

Apropos Rösler

Apropos: Rösler übernimmt Kuratoriums-Vorsitz der Enke-Stiftung.

Schade um Ruf und Namen dieser Einrichtung…


Nov 11 2010

“Lex Rösler” beschlossen

Was bereits vorab bekannt geworden war ist heute vom Bundestag beschlossen worden: das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG). Wie die taz heute wenig neutral aber meiner Meinung nach völlig zutreffend titelt: Die Pharmalobby war erfolgreich.

Ich erwarte statt Kosteneinsparungen, wie sie Herr Rösler versprochen hat, vielmehr die Belastung des Markts mit fragwürdigen, im schlechtesten Fall gefährlichen Spezialmedikamenten, deren Zusatznutzen nicht länger unabhängig geprüft werden kann. Aus obigem taz-Artikel:

Ein Beispiel: Ein Krebspräparat wird zum Verkauf bereits zugelassen, wenn nachgewiesen ist, dass es den Tumor schrumpfen lässt. Ob es dem Patienten tatsächlich jedoch mehr schadet als nutzt, weil die sonstigen Nebenwirkungen ihn zum Pflegefall machen, kann oft erst Jahre später durch vergleichende Therapiestudien ermittelt werden. “Eine zwingende spätere Nutzenbewertung ist aber nicht vorgesehen”, beklagt der Bremer Arzneimittelforscher Gerd Glaeske.

Die ARD veröffentlichte zu dem Thema heute ein Interview mit nämlichem Gerd Gläske.

Wir werden die tatsächlichen Folgen des AMNOG ertragen müssen ja beobachten können…


Nov 10 2010

Eins nach Enke

Um es vorwegzunehmen: Die sich hinter den folgenden Links verbergenden Artikel aus der vergangenen Woche, in der Vielzahl von heute, die sich mit dem Thema Depression, Gesellschaft und die Wirkung des Suizids von Robert Enke vor einem Jahr beschäftigen – ich habe sie im besten Fall nur quergelesen. Ich möchte mich damit nicht wirklich auseinandersetzen. Wer will das schon? Vermutlich ist mit dieser Frage auch schon alles zur Problematik der medialen Verarbeitung von Enkes Schicksal gesagt.

Ich habe meinen erweiterten Grund, warum ich die Artikel jetzt nicht lesen will: Ich könnte mich an so Vielem festbeißen, mich mit den Details auseinandersetzen… Vielmehr: Lese ich, muss ich es auch. Es führt sofort zu Wut und darauf Frustration, weil ich an der Wahrnehmung und den kolportieren Halbwahrheiten zu der Krankheit letztendlich nichts ändern könnte. Allein so ein Satz wie…

Da, ich fange schon wieder an, beim ersten Artikel, den ich verlinken wollte. Nein, später einmal, wenn ich begriffen habe. Im Kontext.

Ich lasse Euch also mit den Artikeln für den Moment allein:

Die AFP fasst zusammen: Enke’s suicide changed little – und liefert aber auch die gute Nachricht:

“A former world-class athlete recently said in an interview that he was saved because his family heard about Enke and saw similar symptoms in him,” said Gebauer.

Aufmerksamkeit hilft.