“Depression” im Internet
Wenn Sie selbst akut unter Depressionen leiden oder einen direkten Ansprechpartner suchen: Bitte lesen Sie unbedingt als Erstes die Hinweise für Betroffene!
Obwohl ca. jeder Fünfte mindestens einmal in seinem Leben an einer behandlungsbedürftigen Form der Depression erkrankt[1], ist das Thema im deutschsprachigen Internet erschreckend gering vertreten. Nutzt man die bekanntesten Suchmaschinen[2] findet sich offenbar nur wenig, das über die Information, Depression sei eine ernstzunehmende behandlungswürdige Krankheit, hinausgeht. Zahlreiche Seiten auch unter den Top-Treffern der Suchmaschinen erwecken den Eindruck vor einem Jahrzehnt zuletzt an Technik und aktuellen Kenntnisstand angepasst worden zu sein.
Mit den besser wirkenden Auftritten muss man jedoch ebenso vorsichtig umgehen: Es handelt sich oftmals um Auftritte eines einzelnen Psychiaters oder Psychotherapeuten, nicht um von Gruppen erarbeitete und damit zumindest gegengeprüfte Inhalte. Oder es sind indirekt von Pharmaunternehmen gesponserte Seiten.
Übrig bleiben eine überschaubare Zahl Websites, die vor allem versuchen, Basisaufklärung zu betreiben und erste Ansprechpartner zu vermitteln.
Dazu gehören zunächst größere Stiftungen/Vereine, von denen ich bisher zwei als bedeutend identifiziert zu haben glaube:
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe
- Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.
- zum eben genannten Bündnis gehört auch das Kompetenznetz Depression
- sowie das Psychiatrienetz, ein Auftritt mehrerer Einzelverbände
Dieser Gruppe Websites ist gemeinsam, dass sie sich alle eher als Interessengruppenvertretung darzustellen scheinen und sich daher nur zu einem Teil an Betroffene wenden. Letzteres geschieht sicher aus dem Wissen heraus, dass man bei der Suche nach Informationen zwangsläufig auf die Seiten stößt, und man Hilfebedürftige nicht in eine Sackgasse laufen lassen kann. Dennoch bleiben hier die für die surfende Öffentlichkeit verfügbaren Informationen zur Krankheit Depression oberflächlich.
FRND.DE – Freunde fürs Leben wendet sich wiederum an potentiell Betroffene und versucht mittels Online-Video Aufklärung über die Gefahr von Suizid zu verbreiten, mit Depressionen als einer der Ursachen. Hier ist der Player für die Beiträge von FRND.TV:
Sorry, but you don’t have flash installed.
U25 – Infos und Online-Beratung für junge Menschen unter 25 Jahren in Krisen und Suizidgefahr bietet in ihrer Infothek Informationen zu Depressionen, ist aber der direkten Hilfe im Dialog mit Jugendlichen in der Krise verschrieben.
Wer mehr als die Einführungsinformationen über die Krankheit erfahren möchte, muss daher andere Mittel wählen:
- Die Wikipedia bietet den ausführlichsten deutschen Artikel über die Krankheit. Dazu kommt, dass dank der Wikistruktur über die zentralen Begriffe das Thema weiterverfolgt werden kann. So kann man zum Beispiel auch über wenige Links über das Thema Pharmakotherapie zu den einzelnen Wirkstoffen Informationen finden. Die Wikipedia ist damit der zentrale Einstiegspunkt für den interessierten Laien für weiterführende wissenschaftliche Informationen zum Thema!
- Wer selber Fragen stellen möchte oder sich über persönliche Schicksale austauschen will, wird in einem der etwas häufiger vorkommenden Foren fündig. Eine Suche zu “Depression” und “Forum” liefert die wohl Bestbesuchtesten. (Da ich selbst Internet-Foren nicht mag, kenne ich die wenigen, die ich besucht habe, zu wenig, um eines explizit empfehlen zu wollen.)
- Last but not at all least – ganz im Gegenteil: Das gedruckte Wort bleibt betreffend der Informationsvielfalt und -tiefe einsame Spitze bei diesem Thema, zumindest wenn es um Information für den “Laien” geht, also uns Nicht-Psychiater. Leider tummelt sich dafür gleich eine ganz große Menge dubioser Ratgeber, sodass man vor dem Einkauf hier immer Probelesen sollte, um festzustellen, ob das Gesuchte überhaupt angesprochen wird.