Dez 14 2010

In der Tagesklinik (Woche #3 und Einhalb): Sprachlos

Letzte Woche war mein Magen-Darm-Trackt defekt und hat mich für die halbe Woche an die Wohnung gefesselt. In die Zeit fiel ein Therapeutenwechsel: Nachdem meine eigentliche Bezugsperson – aus gesundheitlichen Gründen, soweit ich es verstanden habe – ausgefallen ist, hat eine neue Therapeutin deren Platz in den Gruppengesprächen eingenommen. Der ungeplante Wechsel hat in meiner Abwesenheit zu Spannungen geführt, die ich nicht vollständig nachvollziehen konnte; die Reaktion der Betreuenden darauf wiederum schien mir ebenso unverständlich.

In der Visite heute – dort beschreibt jeder einmal wöchentlich vor der Gruppe einem Vertreter der Klinik, wie es ihm geht bzw. die Woche über ergangen ist – habe ich meine Zweifel und Frustration deutlich gemacht. Die Hauptreaktion darauf war eine klassische Frage: Was erhoffen Sie sich denn für sich von dem Aufenthalt?

Meine Antwort, nach langem Überlegen: “Dass mir jemand so ein Bein stellt… dass ich vom Kopf wieder irgendwie auf die Füße falle.”

Die Ärztin zögerte, ehe sie meinte, sie verstehe nicht.

PS: Kurz nach Veröffentlichung umformuliert, um niemanden persönlich, nun ja, anzugreifen. Die Balance ist schwierig, aber den einfachsten Weg aus diesem Dilemma (die da wäre, nicht über den Klinikaufenthalt zu bloggen) will ich auch nicht gehen.


Nov 15 2010

Tag 1

Aufnahmetag in der Tagesklinik.

Ich kann mich nicht erinnern, wie die Aufnahme 2006 aussah, als ich das erste Mal in tagesklinischer Behandlung war. Ich bin mir aber recht sicher, dass ich dort mit einer Handvoll meiner kommenden Mitpatienten gleichzeitig eintraf. So wurde ich heute Vormittag etwas nervös, als ich eine halbe Stunde fast für mich alleine im Vorzimmer des Aufnahmebüros saß.

Nach der Formalität der Übergabe der Krankenhauseinweisung und Ausfüllen eines kurzen Fragebogens folgte im anschließenden Gespräch mit der mich behandelnden Therapeutin die Aufklärung: Ich komme in eine schon bestehende Patientengruppe. Wenn ich es richtig interpretiert habe, sind die Behandlungszeiten nicht festgelegt. Das führte für mich zur zweiten “Überraschung” des Tages: Ich bin mitnichten für “nur” sechs Wochen aufgenommen. Meine Therapeutin geht zunächst von (mindestens?!?) acht Wochen aus. Stillschweigend beglückwünschte ich mich zu meiner Beförderung zum “schwer(er)en Fall”…

In dem knapp einstündigen Erstgespräch hakten wir sonst die üblichen Punkte ab: aktuelle Befindlichkeit, Familiensituation, Beziehungen, bisherige Behandlung. Da aus dem Vorstellungsgespräch vor drei Monaten und meiner früheren Behandlung die Hintergründe schon bekannt waren, blieben die Fragen aber zielführender, konkreter als bei vergleichbaren Erstgesprächen bei fremden Therapeuten. Trotzdem konnte ich mir nicht helfen und Therapeutin wie ihre beisitzende Vertretung für zu jung für ihren Job zu halten. Vielleicht ist das aber auch einfach eine Folge meiner gewissen Therapiemüdigkeit.

Es folgte die medizinische Aufnahme, denn als Krankenhaus übernimmt die Tagesklinik die volle gesundheitliche Verantwortung und Versorgung. Ich habe also – ähnlich einem ersten Besuch bei einem neuen Hausarzt – eine kurze Allgemeinuntersuchung (“Machen Sie sich bitte frei.” – “Mit offenem Mund ein- und ausatmen…” – “Wie ist Ihr Stuhlgang?”…) über mich ergehen lassen. Natürlich wurden die Fragen schließlich spezifischer und bezogen sich auf die üblichen Verdächtigen bei Depression, vor allem Schlaf und Appetit. Meine Antworten führten zu unerwarteten Sofortmaßnahmen: Ich schaue gerade auf die neue Packung mit Mirtazapin zum Einschlafen. Doch weniger gespannt bin ich auf dessen Wirkung als auf die der Astronautennahrung, die für mich bestellt wurde, damit ich Gewicht zunehme – wenn ich bisher noch nicht wegen meines Gewichts und meiner Figur besorgt war, jetzt spätestens bin ich es!

Von meinen Mitpatienten habe ich heute noch nichts gesehen, nach der ärztlichen Untersuchung durfte ich gegen Mittag schon wieder gehen. Morgen früh um 8:30 Uhr steige ich dann einfach in das schon laufende Programm ein.


Nov 13 2010

Déjà-vécu

Vergangenen Dienstag hat mich überraschend die Tagesklinik Ulmenhof angerufen und mir einen Therapieplatz angeboten – beginnend bereits kommenden Montag. Ich habe ihn natürlich umgehend angenommen.

Ich streiche das “natürlich”. Sicherlich gab es keine andere sinnvolle Antwort, aber sie kam alles andere als von Herzen. Ich weiss ja diesmal, was mich erwarten wird, und damit auch, dass sich damit mein Leben nicht plötzlich um 180 Grad wenden wird. Und bei meinem letzten Aufenthalt hatte ich mir noch geschworen, nie mehr in diese Lage kommen zu wollen…

Mehr fällt mir dazu im Moment nicht ein.

Ich melde mich nach den ersten Erfahrungen.


Sep 6 2010

Kein Gefängnis

Meine tageszeitung veröffentlichte heute mit dem Montagsinterview ein Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Heinz, Leiter der Psychiatrie der Charité Mitte.