Worte zum Sonntag (#21)
Merkwürdig: Ich mag nicht aus dem Haus, nicht telefonieren, keinen Appetit haben – Schreiben geht (fast) immer…
Für eine Studie am Universitätsklinikum Bonn werden Probanden mit schweren Depressionen gesucht, die bisher erfolglos behandelt wurden, um die Frage zu klären: Helfen starke Magnetfelder bei schweren Depressionen? (via Curado.de)
Keine Depressionen durch geplatzte Träume Aber umgekehrt!
Vielleicht lesenswert: Sturz in die Nacht von William Styron, der gemeint haben soll, Depression sei so grunddemokratisch wie ein Plakat von Norman Rockwell.
Vielleicht ebenso lesenswert: Keeping the Feast – “The Pasta Cure” – von Paula Butturini.
DSM5 in Distress: Normal Grief vs Depression In DSM5 – und eine Antwort auf das dort Vertretene: Depression is depression, isn’t it? . Vom Autor dieser Antwort auch noch ein Literaturhinweis: Listening to Prozac, but Hearing Placebo über The Emperor’s New Drugs von Irving Kirsch.
“Gute” Aussichten: What are antidepressants’ long-term effects?
Kampf im Kopf berichtet anhand eines konkreten Beispiels über Manische Depression.
7 Ways to Beat Depression for Seniors zum Umgang mit Altersdepressionen.
Treat Alcoholism and Depression Together über die Behandlung von Alkoholismus.
The truth about online dating and the link between depression and relational uncertainty.
Patienten wie ich?!? Interessante (Geschäfts-)Idee.
Inzwischen gibt es Ermittlungen gegen France Télécom nach Selbstmordserie.
Und zum Abschluss noch ein themenfremder Link zu ganz anderem Lesestoff: Die British Library hat die Erstfassung von Alice’s Adventures in Wonderland von Lewis Carroll in Bild und Text online gestellt (via).
Ich glaube, es scheint schien die Sonne…
Worte zum Sonntag (#18)
Diese Woche will ich mit mehreren eigentlich voneinander unabhängigen Einzelmeldungen beginnen, die zusammengenommen… nun ja, entscheidet selbst:
Vorausgesetzt, Intelligente Menschen sind eher Atheisten und gehen nachts später schlafen, aber Glaube an einen fürsorglichen Gott bei Depressionen hilft (vgl. auch Schlagzeilen bei Google) und Wer früh ins Bett geht, [..] seltener Depressionen [hat] (siehe), dann darf man doch annehmen, dass Depressive statistisch gesehen intelligenter sein müssten als andere? Das sieht scheinbar auch das New York Times Magazine so…
Oh, und nicht nur intelligenter, sondern auch weniger fahrlässig und egoistisch, wenn man dann noch das hier in Betracht zieht: “Psychologist Joe Forgas at the University of New South Wales in Sydney, Australia, [...] suggests that happiness’s negative effects all stem from a cheery mood’s tendency to lull you into feeling secure. This makes you look inwards and behave both more selfishly and more carelessly.”
Thanks to The Awl for starting this line of though.
In weiteren Schlagzeilgen:
Eine weitere bedenkenswerte Meinung zum neuen DSM-Katalog (vgl. letzte Woche), von einem Professor der Geschichte der Medizin und Psychiatrie: “DSM-V accelerates the trend of making variants on the spectrum of everyday behavior into diseases: turning grief into depression, apprehension into anxiety, and boyishness into hyperactivity.”
Dazu passend: Die Nachricht Video Games May Help Combat Depression in Older Adults ließ mich subsyndromal nachschlagen, was laut (englischer) Wikipedia Zustände beschreibt, “which do not meet full criteria for a diagnosis, for example because the symptoms are fewer or less severe, but which nevertheless can be identified and related to the ‘full-blown’ syndrome.”. Das wiederum erinnert mich an die merkwürdige Diagnose Hypomanie…
Auch das gibt es: Celebrities With Diseases.
Ich enthalte mich einfach mal jedweden aktuellen deutschlandpolitischen Kommentars und verlinke einfach diesen düsteren Artikel der New York Times über die gesundheitlichen Auswirkungen von Entlassung und Arbeitslosigkeit…
Nachtrag/Update: Heute (01.03.) nimmt sich auch Telepolis unter dem Titel Arbeitslosigkeit und Suizid des ernsten Themas an (ohne direkten Bezug auf den NYT-Artikel).
Eine sehr interessante Infografik über den Wissenstand zur Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln (health supplements) gibt es bei Information is Beautiful.
“Depression in women can be fueled by hostile husbands, a new study suggests.” – Gut, dass auch dieser bisher von niemanden auch nur erahnte Zusammenhang wissenschaftlich ergründet wurde. (wieder gefunden bei The Awl)
Noch “besser” sind da nur noch Online-Tests, die immer dasselbe Ergebnis ausspucken – z.B. zur Frage, ob man unter behandlungsbedürftigen Depressionen leide: WebMD’s Depression Test Has Only One (Sponsored) Answer.
Die Stuttgarter Zeitung liefert Informationen zu einigen der gängigsten Vorurteile zur Krankheit Depression – der Titel Das Gleichgewicht der Botenstoffe ist gestört ist allerdings selbst fast ein Vorurteil, wie ich finde.
Und zum Abschluss: Area responsible for neuroscience errors located.
;-)
Worte zum Sonntag (#17)
Während Ihr die folgende Cut&Paste-Zusammenstellung lesenswerter Artikel der vergangenen Woche durchgeht, könnt Ihr übrigens auch nullwert.de beim Musikmachen zuhören:
“Wir wollen den Eltern helfen, ihre Hemmschwelle zu überwinden und die ganze Familie stärken” – Projekt ECHT STARK! (Dank an psychoMUELL!)
“Wäre es nicht mutiger, darauf hinzuweisen, dass die Gesellschaft darauf hinsteuert, dass sich Leistung eben immer weniger lohnt. Das sollte noch um den Hinweis ergänzt werden, dass sich auch Bildung nicht mehr auszahlen könnte – jedenfalls nicht im Rahmen dieses Klipp-Klapp-Mechanismus, den hier Politik als ranziges Remedium verkündet.” – Schöne neue Arbeitswelt: Wie glücklich macht eigentlich Arbeit in einer Gesellschaft, deren Betriebssystem auf Konkurrenz, Siege und Niederlagen setzt?
“We need to know more about how the health effects of flexible working are experienced by different types of workers, such as women compared to men, old compared to young and skilled compared to unskilled population groups.” – Review: Giving employees more flexibility over their work schedules likely to boost their health (Quelle: The Cochrane Collaboration (deutsche Website; Wikipedia-Eintrag)
“More and more, we work at playing, larding our leisure with labor-related terms and themes: efficiency; perfectionisms; results.” – Goofing Off: How a little play time can even be good for adults.
“[..] die Wissenschaft [weiss] noch immer nur wenig darüber, was bei dieser Behandlung im Gehirn wirklich passiert. Ein implantierbarer Sensor, der zurzeit in Tierversuchen getestet wird, soll dies nun ändern: Er registriert chemische Signale, die eine elektrische Stimulierung hervorruft.” – Chemischer Blick ins Hirn.
“Das Hirn schläft von innen nach außen ein. Der Cortex hat noch etwas Freilauf.”
“Durch die Festlegung eines bestimmten Krankheitsbilds wird also auch zukünftiger Forschung der Weg gewiesen [...]. Nicht zuletzt prüfen natürlich auch die Finanzierer wissenschaftlicher Forschung, inwiefern ein vorgeschlagenes Projekt in die vorhandenen Strukturen passt. Drittens beeinflusst es auch die Patienten selbst, welche Krankheit ihnen attestiert wird und wie die Krankheit verstanden wird.” – Die psychiatrischen Erkrankungen der Zukunft über das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (auch bei psychoMUELL!). Anmerkung: Um das Thema dreht sich auch das Buch Crazy Like Us, das darauf wartet, endlich von mir gelesen zu werden. Aus dem Klappentext: “In Crazy Like Us, Ethan Watters [der Autor] reveals that the most devastating consequence of the spread of American culture has [...] [been] our bulldozing of the human psyche itself: We are in the process of homogenizing the way the world goes mad.”)
“We don’t know whether trying to change your outlook on life can alter your risk of heart disease. It’s not clear whether it’s even possible to drastically change your default happiness level. However, some research suggests that regular exercise, sex, and good sleep might be helpful.” – Happiness linked to a healthier heart (Übrigens ein weiteres gutes Beispiel, wie man Ergebnisse wisssenschaftlicher Studien sinnvoll Laien vermittelt.)
“Befriending is an emotional support intervention commonly offered by the voluntary sector.” – LOL! ‘tschuldigung… (aus University of Manchester publishes research in depression prevention)
“We didn’t know you were an introvert. We thought you were just a bitch.” – We Gotta Fight for our Right Not to Party, ein Blogeintrag aus The Introvert’s Corner bei Psychology Today (via boingboing; Kommentare dort: “OK, I’ll ask. Why does a self-described introvert have a public blog?”; “That’s funny, I considered myself an introvert for a long time but recently realized I AM just a bitch.”)
Schönen Sonntag, wo immer Ihr gerade seid!