Dez
14
2010
Letzte Woche war mein Magen-Darm-Trackt defekt und hat mich für die halbe Woche an die Wohnung gefesselt. In die Zeit fiel ein Therapeutenwechsel: Nachdem meine eigentliche Bezugsperson – aus gesundheitlichen Gründen, soweit ich es verstanden habe – ausgefallen ist, hat eine neue Therapeutin deren Platz in den Gruppengesprächen eingenommen. Der ungeplante Wechsel hat in meiner Abwesenheit zu Spannungen geführt, die ich nicht vollständig nachvollziehen konnte; die Reaktion der Betreuenden darauf wiederum schien mir ebenso unverständlich.
In der Visite heute – dort beschreibt jeder einmal wöchentlich vor der Gruppe einem Vertreter der Klinik, wie es ihm geht bzw. die Woche über ergangen ist – habe ich meine Zweifel und Frustration deutlich gemacht. Die Hauptreaktion darauf war eine klassische Frage: Was erhoffen Sie sich denn für sich von dem Aufenthalt?
Meine Antwort, nach langem Überlegen: “Dass mir jemand so ein Bein stellt… dass ich vom Kopf wieder irgendwie auf die Füße falle.”
Die Ärztin zögerte, ehe sie meinte, sie verstehe nicht.
PS: Kurz nach Veröffentlichung umformuliert, um niemanden persönlich, nun ja, anzugreifen. Die Balance ist schwierig, aber den einfachsten Weg aus diesem Dilemma (die da wäre, nicht über den Klinikaufenthalt zu bloggen) will ich auch nicht gehen.
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Nov
25
2010
TooMuchHarmonyException in group session class member #1.
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Nov
17
2010
Mit der Unterschrift unter den Behandlungsvertrag mit der Tagesklinik legt man zugleich ein Schweigegelübde ab. Ohne dieses letztendlich stillschweigende Einverständnis, nichts über das Schicksal der anderen nach Außen dringen zu lassen, wären den Gruppengesprächen mangels Vertrauen jeder Nährboden entzogen.
Es ist nicht überraschend, wenn auch ein Zufall, dass deshalb gleich in der Gruppensitzung aus einem Artikel vorgelesen und Andreas Biermann zitiert wurde mit den Worten “Ich rate keinem Fußballer, sich zu outen.” Das Gespräch, soviel erlaube ich mir zu verraten, drehte sich in der Folge um die Frage, welche Befürchtungen jeder einzelne hat, was passiert, wenn er sich auf welche Weise seinem Arbeitsumfeld gegenüber als depressiv “outen” würde. So sind eben die Zeichen der Zeit!
Aber dabei ging mir eben auch die Bedeutung des Vertrags auf, den ich unterzeichnet habe. Mir ist klar geworden, dass ich Vieles hier nicht werde ansprechen können, weil über das Stichwort “Ulmenhof” ja schon eine örtliche und zeitliche Beziehung zu Einzelnen hergestellt werden könnte. Ich finde das schade – und ich tue mich immer schwer, mir auf die Zunge zu beißen, gerade dann, wenn mir schon etwas auf derselben liegt.
Eines darf ich zur Gruppe noch sagen: Ihre Zusammensetzung entspricht den zuletzt oft wiederholten Statistiken zu Depressionserkrankten. Die Frauen sind in der deutlichen Überzahl, außer mir ist nur noch ein anderer Mann in meiner Gruppe. Dieses Missverhältnis war auch schon vor vier Jahren so. Damals hatte ich sozusagen andere Sorgen, als mich um geschlechtsspezifische Einzelheiten zu kümmern – inzwischen aber weiss ich von mir, dass dies für mich durchaus keine unwesentlichen Fragen sind – um es mal ganz vorsichtig und diplomatisch auszudrücken, ohne gleich zu Wortmonstren wie “Geschlechterrolle”, “Männlichkeit” etc. pp. zu greifen, denn auch so gerät man schon ins Niemandsland des Geschlechterdiskurses. Aber ich frage mich inzwischen wirklich, wie diese Fragen behandelt werden sollen, wenn die – Achtung! – “männliche Perspektive” praktisch un(ter)repräsentiert ist. Habe ich erwähnt, dass ausschließlich Frauen an der Klinik arbeiten – von dem Masseur einmal abgesehen?
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Feb
21
2010
Während Ihr die folgende Cut&Paste-Zusammenstellung lesenswerter Artikel der vergangenen Woche durchgeht, könnt Ihr übrigens auch nullwert.de beim Musikmachen zuhören:
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“Wir wollen den Eltern helfen, ihre Hemmschwelle zu überwinden und die ganze Familie stärken” – Projekt ECHT STARK! (Dank an psychoMUELL!)
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“Wäre es nicht mutiger, darauf hinzuweisen, dass die Gesellschaft darauf hinsteuert, dass sich Leistung eben immer weniger lohnt. Das sollte noch um den Hinweis ergänzt werden, dass sich auch Bildung nicht mehr auszahlen könnte – jedenfalls nicht im Rahmen dieses Klipp-Klapp-Mechanismus, den hier Politik als ranziges Remedium verkündet.” – Schöne neue Arbeitswelt: Wie glücklich macht eigentlich Arbeit in einer Gesellschaft, deren Betriebssystem auf Konkurrenz, Siege und Niederlagen setzt?
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“We need to know more about how the health effects of flexible working are experienced by different types of workers, such as women compared to men, old compared to young and skilled compared to unskilled population groups.” – Review: Giving employees more flexibility over their work schedules likely to boost their health (Quelle: The Cochrane Collaboration (deutsche Website; Wikipedia-Eintrag)
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“More and more, we work at playing, larding our leisure with labor-related terms and themes: efficiency; perfectionisms; results.” – Goofing Off: How a little play time can even be good for adults.
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“[..] die Wissenschaft [weiss] noch immer nur wenig darüber, was bei dieser Behandlung im Gehirn wirklich passiert. Ein implantierbarer Sensor, der zurzeit in Tierversuchen getestet wird, soll dies nun ändern: Er registriert chemische Signale, die eine elektrische Stimulierung hervorruft.” – Chemischer Blick ins Hirn.
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“Das Hirn schläft von innen nach außen ein. Der Cortex hat noch etwas Freilauf.”
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“Durch die Festlegung eines bestimmten Krankheitsbilds wird also auch zukünftiger Forschung der Weg gewiesen [...]. Nicht zuletzt prüfen natürlich auch die Finanzierer wissenschaftlicher Forschung, inwiefern ein vorgeschlagenes Projekt in die vorhandenen Strukturen passt. Drittens beeinflusst es auch die Patienten selbst, welche Krankheit ihnen attestiert wird und wie die Krankheit verstanden wird.” – Die psychiatrischen Erkrankungen der Zukunft über das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (auch bei psychoMUELL!). Anmerkung: Um das Thema dreht sich auch das Buch Crazy Like Us, das darauf wartet, endlich von mir gelesen zu werden. Aus dem Klappentext: “In Crazy Like Us, Ethan Watters [der Autor] reveals that the most devastating consequence of the spread of American culture has [...] [been] our bulldozing of the human psyche itself: We are in the process of homogenizing the way the world goes mad.”)
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“We don’t know whether trying to change your outlook on life can alter your risk of heart disease. It’s not clear whether it’s even possible to drastically change your default happiness level. However, some research suggests that regular exercise, sex, and good sleep might be helpful.” – Happiness linked to a healthier heart (Übrigens ein weiteres gutes Beispiel, wie man Ergebnisse wisssenschaftlicher Studien sinnvoll Laien vermittelt.)
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“Befriending is an emotional support intervention commonly offered by the voluntary sector.” – LOL! ‘tschuldigung… (aus University of Manchester publishes research in depression prevention)
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“We didn’t know you were an introvert. We thought you were just a bitch.” – We Gotta Fight for our Right Not to Party, ein Blogeintrag aus The Introvert’s Corner bei Psychology Today (via boingboing; Kommentare dort: “OK, I’ll ask. Why does a self-described introvert have a public blog?”; “That’s funny, I considered myself an introvert for a long time but recently realized I AM just a bitch.”)
Schönen Sonntag, wo immer Ihr gerade seid!
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