Feb 7 2010

Worte zum Sonntag (#15)

Die Frage der Woche lautete: Macht Internet depressiv?

So nämlich kolportierte die Zeitschrift Men’s Health eine in der Fachzeitschrift Psychopathology veröffentlichte Studie der University of Leeds. Mit der Veröffentlichung ging eine Pressenachricht einher, die – pardon, wenn ich übertreiben sollte, aber mich regt sowas auf… – einer Universität unwürdig ist: Excessive internet use is linked to depression heisst es schon im Titel falsch, denn das is täuscht ein Fakt vor, dass die Studie gar nicht liefert. Was aber so schlimm ist: Im weiteren Text wird exzessive Internetnutzung mit Suizidalität in Verbindung gebracht – worum es in der Studie offenbar ebenfalls nicht ging. Der ganze Artikel macht die Untersuchung bedeutender, als sie ist. Das sollte er wohl auch, und mit Erfolg, wie es scheint: Ich fand die Pressenachricht (sicherlich auch dank der Presseagentur Reuters) in zahlreichen Artikeln aus der ganzen Welt wieder.

Wie man am Übelsten auf diesen Hype aufspringen kann, zeigt der Focus: Internet-Junkies haben häufig Depressionen. Aber selbst das Ärzteblatt titelt voreilig: Internet-Süchtige häufig depressiv (schränkt diese Behauptung aber im Text wieder ein).

Wie man verantwortungsvoll(er), nämlich kritischer, mit solchen Nachrichten umgeht, zeigt schön der britische Guardian, vom fachlich korrekten Titel bis hin zur Aufbereitung des Inhalts für die nicht-fachkundigen Leser:
Internet overuse linked to depression, but questions remain
.

Der Guardian erwähnt auch den Knackpunkt: “‘internet addiction’ is not a medically defined term.” Es geht um die äußerst umstrittene Frage, ob es das Krankheitsbild Internetabhängigkeit (Internet Addiction Disorder (IAD)) überhaupt gibt.

Spannend deshalb, dass Telepolis unter dem (schön neutralen) Titel Exzessive Internetnutzung und Depression aus den Zahlen fast den allen anderen Berichten zuwiderlaufenden Schluss zieht: “Die Zahl der Menschen, die Anzeichen von Internetsucht zeigt, scheint [...] doch nicht so hoch zu sein, wie von manchen beschworen wird.”

Das findet auch Golem.de, das die Nachricht und ihren inhaltlichen Gehalt meiner bescheidenen Meinung nach am Treffendsten zusammengefasst hat: Depressive surfen auch im Web.

Nachtrag: Psychology Today, U.S.-Website zu psychologischen Themen, nimmt sich in dem Artikel
Media hype overstates link between depression and the Internet
heute des Themas auch nochmal kritisch an. (Und wer meint, die noch altmodisch mit Papier arbeitende Presse sei besser, wird dort in einem anderen Artikel auch gleich eines Besseren(?) belehrt: British Newspapers Make Things Up…)


So, und jetzt noch anderes, was mir diese Woche im Internet(!) begegnet ist:

Schönen Sonntag und eine gute Woche! (Aber nicht so viel im Internet surfen! Man kann ja nie wissen… ;-)


Nov 25 2009

taz vs. “Helen”

Helen hat leider nichts zu erzählen über das, was sie umgibt oder das, was einmal war. [...] Und so stehen wir bis zum Ende blöd da, wie mitgebrachte Gäste der Geburtstagsparty, und rätseln.

die tageszeitung übt – wie es klingt gerechtfertigte – Kritik an dem morgen anlaufenden Film “Helen”, auf den ich letzte Woche aufmerksam gemacht hatte.


Nov 19 2009

Helen

Die Ärztezeitung machte mich heute erstmals auf einen offenbar nächsten Donnerstag in Deutschland anlaufenden Film aufmerksam: Helen:

Da die Hauptdarstellerin Ashley Judd 2006 selbst wegen Depressionen in klinischer Behandlung gewesen ist und das Filmprojekt auf ein persönliches Schicksal im Umfeld der Regisseurin hin entstanden ist, stehen die Chancen gut, dass es dem Film tatsächlich gelingt, die Formen und Auswirkungen der Krankheit jenseits aller Klischees wiederzugeben.

Wie kino-zeit.de kann ich dem Film nur wünschen, tatsächlich die angestrebte breite Öffentlichkeit zu erreichen. Vielleicht sorgt der “tragische Zufall” (Ärztezeitung), dass der Kinostart zusammenfällt mit der Berichterstattung um Robert Enke, für die notwendige Aufmerksamkeit.

Update: Link zur offiziellen deutschen Webseite – Kinostart ist offiziell der 26.11.09.