Okt
26
2010
Heute Morgen habe ich schließlich erfahren, mit wie viel wenig mit welchem Eurobetrag ich ab dem 21. November auskommen soll. (Er entspricht ganz grob gerechnet 50% meines Nettogehalts.) Anspruch darauf habe ich 360 Tage, anschließend müsste ich nähere Bekanntschaft mit Herrn Hartz dem Vierten machen.
Es sei denn, ich werfe die Flinte ins Korn und lasse mich auf Zeit verrenten, was in meinen Augen dem Eingeständnis gleichkommt, dass ich mich selbst für dauerhaft arbeitsunfähig erkläre. Soweit bin ich noch nicht, auch wenn die Zahlen in Form angehäufter Krankheitstage angeblich anderes beweisen sollen. Ich habe auch 2007 in einer schwierigen Lage wieder erfolgreich in den Beruf zurückgefunden, und ich weiß, dass ich das wieder kann, wenn ich die Umstände, nun ja, “geradegerückt” habe.
Unterstützung bei dem Versuch habe ich heute – eigentlich wie erwartet – bei der Agentur für Arbeit wieder nicht bekommen. Bevor man mit mir redet, muss man wohl erst noch eine passende Schublade bestimmen, in die meine Akte gehört: Dem zuständigen Sachbearbeiter muss zunächst das Gutachten des MDK veorliegen, ehe er mit mir redet. Offenbar ist mir eine Beschreibung meiner eigenen Lage nicht zuzutrauen…
Die vergangene Woche war ich noch wie unter Watte begraben, regungslos, bewegungsunfähig, emotionslos, nur Schatten konnte ich um mich rum wahrnehmen. Gestern hat mich etwas wachgerüttelt. Heute spüre ich wieder so etwas wie Wut. Aber es ist mir auch egal, was ich fühle, solange ich wieder fühle.
Und nun, wie weiter?
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Sep
29
2010
Wenn man nur lange genug wartet, erledigen sich manche Dinge von selbst. Auf meiner To-Do-Liste leuchtet in drängendem Rot schon seit Wochen die Aufgabe, meine Krankenkasse anzurufen, um die verbleibende Laufzeit der Krankengeldzahlungen zu erfragen. Die mögliche Antwort erschien mir offenbar bedrohlich genug, die Aufgabe immer wieder vor mir herzuschieben. Mit Eintreffen eines gelben Briefes heute Mittag darf ich jetzt das Erledigt-Häkchen ganz ohne mein Zutun setzen.
Ich hätte ja wenigstens Spektakuläreres erwartet: Eine hübsche Agentin vielleicht, die mich unter einem Vorwand an einem öffentlichen Ort in ein Gespräch verwickelt, um mir dann vor Zeugen mit den Worten, dies Schreiben sei hiermit rechtswirksam persönlich zugestellt worden, ein Couvert in die Hand zu drücken und sich dann mit einem bösartigen Grinsen zu verabschieden. Aber das gibt es nur in US-Fernsehserien, aus denen ich solches “Wissen” bevorzugt beziehe. Die bundesdeutsche Realität ist da nüchterner: Das Schreiben fand sich schlicht im Briefkasten neben den üblichen Werbewurfsendungen. Es fiel nur auf wegen des ungewöhnlichen gelben Umschlags. Ein dadurch forcierter zweiter Blick führt zur Unterschrift des Postboten im Formfeld rechts oben, wo sich zusätzlich der bizarre Hinweis befindet “Umschlag bitte aufbewahren, siehe Rückseite!”. So etwa zu diesem Zeitpunkt setzte bei mir erste Nervosität ein: Was kann die Krankenkasse von mir wollen, das es erfordert, mich auf dem Briefrücken schriftlich darüber aufzuklären, dass mir “Mit dieser Sendung [...] in gesetzlich vorgeschriebener Form die im Umschlag enthaltenen Schriftstücke förmlich zugestellt” wurden?!?
Ich habe es eingangs vorweggenommen: Es war die Benachrichtigung, dass mein Anspruch auf Krankengeld gegen Ende November auslaufen würde.
Das ändert objektiv betrachtet zunächst einmal gar nichts, erwarten musste ich es ja schon. Aber ich bin nicht objektiv. Für mich ist der gelbe Brief die “gelbe Karte”: wenn es so weiter geht, stellt man mich endgültig vom Platz und ich muss für den Rest des Spiels von der Auswechselbank aus zusehen, wie andere die Tore schießen.
Meine Form der Torschlusspanik.
Neuer Eintrag To-Do-Liste: “Besuch Arbeitsamt Hamburg-Nord”.
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Okt
17
2009
Ab November werde ich wieder geregelt meinem Beruf nachgehen. Zunächst im Rahmen einer Wiedereingliederungsmaßnahme. Das bedeutet, dass ich ich zunächst nur Teilzeit arbeite (20 Stunden/Woche) und erhalte weiter Krankengeld von der Krankenkasse – solange bis feststeht, dass ich die Arbeit wieder Vollzeit aufnehmen kann.
Dieser Entschluss ist schon vor über einer Woche gefallen, der Papierkram wollte aber noch erledigt werden und ich selbst musste mich mit dieser Entscheidung nochmal auseinandersetzen. Denn anders als beim letzten Mal nach meiner letzten schwereren depressiven Phase habe ich diesmal nicht den (damals offensichtlich falschen) Eindruck, ein “neuer Mensch” zu sein, sondern “nur” wieder der alte. Hatte ich damals noch beruflichen Fortschritt in Form einer Weiterbildung vor Augen, muss ich jetzt realistisch betrachtet damit rechnen, erstmal “auf der Stelle zu treten” – oder vielmehr sogar mein altes Können und Ansehen erst wieder erreichen zu müssen.
Damals schien einiges “wie von selbst” zu laufen – diesmal wird es anstrengend. Es ist es schon jetzt. Also: An die Arbeit!
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