Okt
21
2010
Nur wenige Tage, nachdem das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ihre Bedeutung als Kontrollorgan der Pharmawirtschaft wieder einmal unter Beweis gestellt hat, wird dank des Leitartikels der heutigen taz, “Die Invasion der Nutzlos-Pillen“, öffentlich, dass unser Gesundheitsministerium unter Leitung von Philipp Rösler dem sogenannten “Pharma-TÜV” zukünftig die Handlungsbasis entziehen wird:
Statt aufwendiger, oft mehrjähriger Kosten-Nutzen-Analysen soll es künftig nur noch Nutzenschnellbewertungen durch das IQWiG geben – binnen drei Monaten und auf fragwürdiger Datenbasis. Schließlich soll die Beweislast umgekehrt werden. Bislang mussten die Hersteller dem IQWiG beweisen, dass ihr neues Medikament einen zusätzlichen Nutzen für die Patienten habe gegenüber herkömmlichen Medikamenten.
Nun muss dem Pharmabetrieb seine hauseigene Nutzenbewertung zunächst einmal blind abgekauft werden.
Leider fehlt mir gerade die Zeit, die Links zusammenzusuchen, unter denen nachzulesen ist, wie Pharmafirmen schon bisher ihre Forschungsergebnisse manipulieren (unter anderem, indem sie unliebsame Ergebnisse schlicht nicht veröffentlichen) und Einfluß auf die Diagnosendefinitionen nehmen (um überhaupt erst einen Markt für ein Medikament zu schaffen). Wird das IQWiG mit der angekündigten Änderung praktisch abgeschafft, fällt das letzte unabhängig arbeitende Kontrollbollwerk gegen überteuerte Neuerfindungen mit zweifelhaften, ggf. gar nicht vorhandenen Nutzen (vom schlimmsten Fall, dass die Medikamente sogar Schaden verursachen, mal ganz zu schweigen). Wenn ich mich nicht verrechne, wird dies auch wieder zu neuen Verteuerungen bei den Medikamentenausgaben der Krankenkassen führen – Teuerungen, die ja nach den letzten Beschlüssen des Gesundheitsministeriums zukünftig die Arbeitnehmer alleine tragen sollen…
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Sep
22
2010
Bevor ich Privates von mir gebe, hält mich die Tagespolitik vom konstruktiven Schreiben ab. Für den Moment will ich mich auf das Thema “Gesundheitsreform” nicht weiter einlassen. Ich bin erstmal sprachlos. Ich verweise auf die ersten Bestandsaufnahmen von Stern.de und der Süddeutschen Zeitung. (Etwas von der taz folgt sicher in den Abendstunden.)
Interessant sind nicht nur in diesem Zusammenhang noch zwei Artikel auf Telepolis. Gesundheit und Profit ist heute gerade ganz passend ein “Interview mit Ursel Sieber über die Ablösung von Peter Sawicki und die Willfährigkeit der Politik gegenüber der Pharma-Lobby” betitelt. Und unter der Frage Warum werden Antipsychotika so häufig verschrieben? finden sich ein paar weitere Gründe für die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen mit weiterführenden kritischen Fragen zu Psychopharmaka.
Edit: Ich habe den polemischen ersten Absatz gelöscht, der Euch womöglich schon via RSS erreicht haben. Ich sollte lernen, erstens nicht sofort zu veröffentlichen, sondern mir eine Stunde Überdenkzeit gönnen und/oder zweitens schlicht länger nachdenken. Hat auch etwas mit meiner selbstauferlegten Blogpolitik zu tun – dazu (vielleicht) wieder einmal später mehr dazu.
Edit: Feler korrigiert…
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Sep
27
2009
Telepolis berichtet über einen Artikel des Public Library of Science Medicine Journals:
Den Redakteuren zufolge belegen diese Dokumente, dass Wyeth spezialisierte Unternehmen wie DesignWrite, nach eigener Darstellung der “Marktführer in medizinischer Kommunikation”, damit beauftragte, Artikel nach eigenen Wünschen anzufertigen. Erst anschließend seien akademische Autoren gesucht worden, unter deren Namen die Studien veröffentlicht werden konnten. Die Namen der eigentlichen Verfasser würden in den Veröffentlichungen nicht mehr vorkommen.
Das scheint allerdings verbreitete Praxis zu sein, wie der Artikel weiter ausführt:
Redakteure von JAMA haben 1998 zusammen mit Wissenschaftlern die Ergebnisse einer Befragung [extern] veröffentlicht, derzufolge 19% der untersuchten medizinischen Arbeiten Gastautoren aufwiesen, 11% Ghostwriter und 2% beides.
Weshalb ich das in einem Depressionsblog veröffentliche? Antidepressiva sind ein riesiges Geschäft. Dennoch sind ihre Wirksamkeit und Wirkmechanismen weiter umstritten, ihre Nebenwirkungen sind teils massiv. Nichts ist also wichtiger, als eine fundierte, wissenschaftlich-objektive Diskussion über diese Medikamente und den Umgang mit ihnen.
Wenn man jedoch den diesen Diskussionen zugrunde liegenden vermeindlich wissenschaftlichen Publikationen nicht vertrauen kann, weil nicht einmal ihre Autorenschaft nachvollziehbar ist – was bedeutet das dann für die aus ihnen geschlussfolgerten Erkenntnisse und darauf basierenden Entscheidungen – nicht zuletzt auch für die Arzneimittelzulassung?
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