Sep
25
2009
Gut, es geht also auch ohne. Seit dem 9. August habe ich keine Antidepressiva mehr genommen, und ich funktioniere noch. Es geht mir sogar relativ gut. Ich sollte mich eigentlich glücklich schätzen, dass es so ist.
Was ist Nebenwirkung der Medikamente, was ist mein “Normalzustand”? Die Fragen stellen sich jetzt so nicht mehr. Also das hier jetzt bin also ich, offenbar… Und es geht mir nicht anders als zuvor, nicht besser, nicht schlechter.
Sicher, ich bin diese Unsicherheiten los – aber für mich bedeutet das nur, dass ich keine Ausreden mehr habe, kein Medikament, das Schuld an einem “Symptom” sein könnte. Es bedeutet auch und vor allem: Die Medikamente schützen mich nicht – ich muss selbst auf mich aufpassen. Das galt zwar schon immer, aber die Hoffnung, ein Medikament könnte mir dabei helfen, habe ich verloren. Wieder fällt alles auf mich zurück.
Aber ich sollte mich eigentlich glücklich schätzen: Ja, ich werde in absehbarer Zeit wieder Arbeiten können, nehme ich an. Ja, ich kann meinen Alltag wieder alleine bewältigen. Ich funktioniere wieder. Aber macht das einen Menschen glücklich? Mich nicht.
Ich komme mir gerade wieder sehr alleingelassen vor mit der ganzen Scheisse… Muss aber gehen, verdammt!
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Aug
4
2009
150, 85, 50, 25 und 0 Milligramm — Heute ist also der erste Tag ohne Venlafaxin. Vor drei Wochen hatte ich auf Anraten meiner neuen Psychiaterin begonnen, das Medikament langsam auszuschleichen. Von der vollen Dosis 150 mg habe ich angefangen mit 85 mg die letzten zweieinhalb Wochen die Dosis bis zuletzt 25 mg herunterdosiert, heute habe ich zum ersten Mal vollständig darauf verzichtet.
Nachdem ich bisher bei jeder (mehr oder weniger) Halbierung der Dosen praktisch nebenwirkungsfrei geblieben war, überraschten mich heute Nachmittag die ersten Anzeichen von Schwindel. Aktuell führen schnellere Bewegungen praktisch gleich zu einem Schwindelgefühl. Alles wahrlich noch sehr erträglich…
…aber irritierend: Was macht diese letzten 25 mg für mein Gehirn so bedeutend, die ich ihm nun vorenthalten habe, dass es mich jetzt quasi mit Fehlalarmen irritiert? Warum beim Entzug, aber nicht bei und seit der ersten Einnahme – während andere bereits bei der Einnahme geringer Dosen mit diesen Nebeneffekten malträtiert werden?
Ich fürchte, die Frage wird mir niemand vollständig beantworten können, aber vielleicht belehrt mich meine Psychiaterin oder ein Internet-Fundstück eines Besseren.
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Jul
5
2009
Mir geht Einiges durch den Kopf, das ich aufschreiben und damit vielleicht auch für mich erklären will. Aber nicht jetzt: Es scheint die Sonne in mein Schlaf-Fernseh-Arbeitszimmer, und nach einigen Tagen des Einigelns will(!) ich heute raus!
Ich habe vor zwei Tagen begonnen, das Medikament Nortrilen, d.h. das Trizyklikum Nortriptylin, auszuschleichen. Ohne Rücksprache mit “meinem” Psychiater, da ich diesem inzwischen nicht mehr traue und ab morgen einen neuen suchen werde (dazu ein andernmal mehr). Jedenfalls schlug gestern wieder dasselbe Dilemma zu: Geht es mir jetzt wegen der geänderten Tagesdosis schlechter, oder trotz der geänderten Tagesdosis? Hat man einmal mit diesen Medikamenten angefangen, untergraben sie andauernd die Selbsteinschätzung der physischen und psychischen Konstitution! Scheiße!
Gelernt: biologische Halbwertzeit
Gefunden: psychoMUELL!
Gebookmarkt: Übersicht Antidepressiva
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