Okt 19 2009

Placebo-Effekt nachgemessen

Nicht allzuweit entfernt von hier, das heisst hier in Hamburg am Universitätskrankenhaus Eppendorf, wurde ein wichtiger Durchbruch zum Verständnis der Wirkung von eigentlich nicht wirkfähigen Dummy-Medikamenten, den sogenannten Placebos erzielt. Wenn ich alles richtig verstanden habe: Es ist gelungen, die direkte Wirkung in den für die Schmerzwahrnehmung zuständigen Nervensträngen des Rückgrads mittels FMRI quasi im Bild festzuhalten.

Now that researchers know the neural hallmark of placebo pain relief, they could use it to develop treatments, cognitive or chemical, that take better advantage of belief, Eippert says.

laut Artikel bei NewScientist über die Veröffentlichung beim Science Magazine


Aug 26 2009

Placebo verstehen

Laut einem hervorragenden Wired-Artikel kommen die Pharmakonzerne zunehmend in Schwierigkeiten, einen erfolgreichen Nachweis für die Wirksamkeit ihrer Medikamente zu liefern. Selbst vermeindlich erfolgreich getestete und bereits zugelassene Medikamente schneiden in aktuelleren Untersuchungen immer häufiger schlechter ab.

Grund sind Erkenntnisse zum Placebo-Effekt, der in früheren Jahren unzureichend berücksichtigt wurde – in neueren Studien aber häufiger nachgewiesen wurde und deshalb statistisch betrachtet zuzunehmen scheint.

Zwei für mich zentrale Aussagen des Artikels:

the body’s response to certain types of medication is in constant flux, affected by expectations of treatment, conditioning, beliefs, and social cues.

Und:

The litmus test of drug efficacy in antidepressant trials is a questionnaire called the Hamilton Depression Rating Scale. The HAM-D was created nearly 50 years ago based on a study of major depressive disorder in patients confined to asylums. Few trial volunteers now suffer from that level of illness. In fact, many experts are starting to wonder if what drug companies now call depression is even the same disease that the HAM-D was designed to diagnose.

Gerade Antidepressiva und Psychotherapie sind also von den neuen Erkenntnissen besonders getroffen.

Für mich sagt der Artikel deutlich aus, was ich bereits immer gefühlt habe: Ein guter Arzt, der einem zuhört und Vertrauen in die Zukunft vermittelt, ist mindestens soviel oder vermutlich sogar mehr wert als ein einigermaßen wirksames Antidepressivum. Und je besser es einem geht, um so mehr sollte man auf seine Selbstheilungskräfte vertrauen.

via BoingBoing