Jul 16 2010

Unverfängliches

Davon, ein Tagebuch zu werden, ist dieses Blog zur Zeit weiter entfernt denn je. Das wöchentliche Feature habe ich quasi eingestellt. Zu Persönlichem habe ich seit anfang des Monats fast nichts Neues gesagt, und die Nachricht von meiner neuen Medikation so faktisch als möglich gehalten.

Das bedeutet nicht, dass mich meine Krankheit nicht mehr beschäftigt, und glücklicherweise auch nicht, dass sie mich so sehr beschäftigt, dass ich nicht hätte schreiben können.

Der Grund für das Schweigen ist, dass alles, was mich beschäftigt, in verschiedener Hinsicht auf wackligen Füßen steht. Wenn ich es aufschreibe veröffentlichte, müsste ich befürchten, dass etwas aus den Fugen gerät. Und deshalb lasse ich erstmal die Finger davon. Nur soviel in Stichworten, hoffentlich Unverfängliches:

  • Der nächste Termin bei meinem Psychiater, der frühestmögliche, wie mir mehrfach erklärt wurde, liegt in der zweiten Septemberwoche – also in etwa acht Wochen. Das mag normal sein, aber es ist krank.
  • Die neue Medikation betrachte ich mit jedem Tag kritischer, die Gründe berühren aber wieder Punkte, die ich hier (für den Augenblick) nicht zur Diskussion stellen will.
  • Auch meine Personenwaage ist Opfer meines Zweifels geworden, nach einigen widersprüchlichen Messergebnissen. Seit heute also eine neue Hilfe, um meinen Weg zum Ziel 60plus (also mehr als 60 kg auf die Waage zu bringen, BMI 18,5) zu überwachen. Stand heute, 18:30 Uhr: 56,2 kg.
  • Seit zwei Wochen bekomme ich im Rahmen einer von meinem Zahnarzt (sic!) verschriebenen Physiotherapie Massagen im Schulter-, Nacken- und Kieferbereich, die mir außerordentlich helfen, ein besseres Körpergefühl zu bekommen. Ich gehe jedesmal deutlich entspannter und mit gehobener Stimmung aus der Praxis. Bei dem Maß, in dem meine Verspannungen schon zu Verhärtungen und Fehlhaltungen geführt haben, wundert mich, dass dies erst dem Zahnarzt wegen akuter Kieferschmerzen eine Betrachtung wert war. Bei näherer Betrachtung: Eigentlich wundert mich das überhaupt nicht…

Soweit für heute. Danke für Euer Interesse.


Mai 26 2010

Quest abgeschlossen

Meine Suche nach einem mich weiterbehandelnden Psychiater hat heute zunächst ihr Ende gefunden. Nachdem ich zwei Monate auf den Termin gewartet habe, konnte ich heute in einem ungewöhnlich langen ersten Gespräch glücklicherweise feststellen, dass sich das Warten wie auch die Suche offenbar gelohnt haben: Der bisher jüngste Vertreter seiner Zunft stellte zur richtigen Zeit vernünftige Fragen, ließ mir dennoch immer Zeit, alle nötigen Details einmal anzusprechen und auch so etwas wie eine eigene Meinung zu haben. Die Gesprächsführung entwickelte sich natürlich, ich kam mir nicht vor, als müsse man einen Fragebogen abarbeiten, den der Arzt vor sich auf dem PC-Monitor sieht.

Der Arzt ist Teil einer Praxengemeinschaft, die insgesamt unter dem “Label” Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) arbeitet. Wenn dies eine Auswirkung auf die Behandlung hatte, war sie mir nicht negativ aufgefallen. Direkt darauf angesprochen meinte der Psychiater scherzhaft, er würde mir jetzt nicht eine kostenpflichtige Akupunktur verschreiben, die mir nichts brächte. Er fragte mich, ob ich davon etwas Bestimmtes erwartet hätte. Eine vorbildliche Reaktion, finde ich.

Eines könnte ein Einfluss der ganzheitlichen Betrachtungsweise der TCM sein: Dies ist der erste Psychiater, der mein Köpergefühl und meine Gewichtsprobleme zu einem entscheidenden Thema gemacht hat.

Eines ändert sich aber auch hier nicht: die Seltenheit der Termine. Den nächsten Termin habe ich, vermutlich nicht zufällig erst im nächsten Quartal, in rund sechs Wochen.

Trotzdem hoffe ich, nein, glaube ich, dass ich hier endlich einen verlässlichen Ansprechpartner gefunden habe. Ich bin froh, dass ich mir die Zeit zur Suche genommen habe, und mich nicht mit weniger zufrieden gegeben habe.

P.S.: Für die Uneingeweihten findet sich die Erklärung des Titels mal wieder bei Wikipedia.


Mai 2 2010

Worte zum Sonntag (#26)

Männer, Frauen, Postboten, Dein Arzt und das Internet, Todernstes neben wissenschaftlichem Blödsinn – eine ganz gewöhnliche Woche rund um das Thema Depression:

Mein Zitat der Woche: “Im Kapitalismus ist nicht alles verzweifelt und grau, sondern alles verzweifelt und bunt.” (Richard Oehmann) – gefunden dank Telepolis’ Besprechung des offenbar sehenswerten Films Low Lights.

Mein Begriff der Woche: Mean World Syndrome

Schönen Restsonntag.


Apr 19 2010

Das war keine Hilfe

70 Minuten Wartezeit, 30 Minuten Gespräch, nächstmöglicher Folgetermin Ende Juli (sic).

Was habe ich von einem Erstgespräch mit einem Psychiater erwartet? Keine Ahnung. Nach dem Gespräch habe ich in den Fragebogen des Ginsterhof, den sie mir zur Vorbereitung eines Erstgesprächs zugeschickt haben und der mich nach dem Termin erreichte, auf den Punkt “Was erwarten oder wünschen sie von einer Behandlung bei uns?” jedenfalls abschließend eingetragen: “Erwarten? Ehrlicherweise: nichts.”

Das ist natürlich provokativ gelogen. Ich erwarte sogar sehr viel, auch wenn es nur Eines ist: Hilfe.

Die ist aber offenbar in keinem Gebührenkatalog vorgesehen. Stattdessen: Valdoxan, 98 Filmtabletten, €203,18.

Pardon, das ist alles Polemik und Zynismus. Aber ich ließe sonst erst recht kein gutes Haar an meiner heutigen Gesprächspartnerin. Und auch nicht mehr an der Zunft der Psychiater als Ganzem. Noch an dem Gesundheits(kosten)system. Oder irgendwas anderem. Für mich ist heute Abend alles Scheiße. Und die richtige Scheiße ist: Das ist auch noch gut so, denn ginge es mir schlechter, würde ich nicht einmal das mehr spüren. Nur fehlt mir jetzt der Sandsack zum Zusammenprügeln, um diese Scheiße auch wieder loszuwerden. Mein Blog ist mir eigentlich zu schade dafür.