Mrz 20 2010

Wie erwartet

Nachdem mein Vater nun abgereist ist und ich gestern die letzten “Pflichtaufgaben” abgehakt habe, fühle ich mich nach den ersten Fehlschlägen bei der Suche nach einem Therapeuten als wäre ich gegen eine Wand aus Hoffnungslosigkeit gelaufen und in eine Art Schockstarre verfallen. Man kann das auch Depression nennen.

Die letzten Male hatte ich bei der Therapeutensuche auf dubios zustandegekommene kopierte Listen einer Klinik oder eines Beraters zurückgreifen müssen, oder einfach das Branchenbuch rauf- und runtertelefoniert. Diesmal habe ich von meiner Therapeutin eine vermeindliche “Abkürzung” erhalten, die mir bei der Suche nach einem Therapieplatz helfen sollte: Als ersten Anlaufpunkt könne ich mich an das Michael Balint Institut wenden.

Weiterlesen


Mrz 19 2010

Nolife

Mein Vater ist bereits gestern und auf meine direkte Bitte früher als ursprünglich von ihm gedacht wieder abgereist. Ich fühlte, ich brauche ein paar Tage, in denen ich wieder auf mich allein gestellt bin, um die Fallhöhe zu verringern, bevor ich Montag wieder meine geregelte Arbeit aufnehmen werde.

Das wird mir dennoch schwer genug fallen. Wenn ich eine Psychoanalyse beginne, bedeutet das, drei bis vier Mal pro Woche einen einstündigen Termin neben der Arbeit fest einplanen zu müssen. Plus Anfahrtszeiten, also eigentlich zwei Stunden. Selbst wenn es mir gelingt, die Termine ausreichend spät zu legen, wird das anstrengend. Und dann heißt das vielleicht, doch wieder eine 6-Stunden-Arbeitszeitregelung zu beantragen – mit allen Konsequenzen, die dieser “Sonderstatus” mit sich bringen würde.

Und das sind zwei Stunden, die ich für eine Therapie aufbringe. Nicht damit, wozu sie mir verhelfen soll: wieder ein eigenes (Privat-)Leben zu finden.

Anfang des Jahres hatte ich noch die versteckte Hoffnung, vielleicht einen ähnlichen Aufschwung zu erleben wie vor drei Jahren nach meiner ersten langen “Auszeit”. Es war ein anderes Leben, es war mein Leben damals. Ich würde sagen, ich war endlich einmal ich selbst – also “ein anderer” als jetzt – aber das wurde mir ja auch schon als manische Phase ausgelegt…

Ich habe also einmal vom Leben gekostet, einmal eine Einstellung zu mir und den Menschen um mich herum gefunden, die mich alles mit mehr Freude und Offenheit, mit weniger Zweifeln und Befürchtungen machen und betrachten ließ. Aber eine Reihe von, sagen wir, “Misserfolgen” ließ mich all das wieder “verlernen”.

Ich habe praktisch kein Leben mehr, auch weil ich es meide. So wie ich meinen Vater wegschicken muss, weil mein Innenleben schon wegen der Erinnerungen rebelliert, die mit seiner reinen Anwesenheit verbunden sind, so schrecke ich auch häufig die Verabredung mit Freunden – nicht ihretwegen, sondern wegen meiner Probleme. Zum Beispiel, weil ich in depressiv angeschlagenem Zustand meine Schwierigkeiten habe, (hoffentlich) glückliche Familien oder, wenn es mir schlechter geht, schon einfach ein zu fröhliches Kind um mich zu haben, ohne auszuticken… Aber wer soll das nachvollziehen können? Zumal ich es ja eigentlich auch niemandem erkläre. Ich vergesse ja auch, es mir selbst immer wieder klar zu machen, so, wie ich meine Gefühle oder mein Verhalten “vergesse”.

Aber jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss einen Therapieplatz finden…


Feb 14 2010

Worte zum Sonntag (#16)

Hier wieder die sonntägliche Liste der Artikel, die ich vergangene Woche lesenswert fand:


Feb 10 2010

Beinstellen, Naseziehen

Seit Anfang vergangener Woche schweige ich schon wieder zu meinem Zustand, tut mir leid. Ich habe die Abende teilweise schlicht versucht, Abstand zu gewinnen – wenn es gelang mittels Meditation, oder einfach nur durch Ablenkung. Man könnte sagen, mir fehlten die Worte.

Die habe ich heute im Gespräch mit meiner Therapeutin wiedergefunden. Anders als sonst: Diesmal fühlte ich mich gewissermaßen auf die Unterhaltung vorbereitet; die zahlreichen Gedankenentwürfe, die ich zu den Problemen und Gefühlen der letzten Wochen gemacht hatte, um sie in diesem Blog vielleicht zur Sprache zu bringen und anderen verständlich zu machen, waren der Ausgangspunkt für den Gedankenaustausch. Soweit, dass ich mir Antworten auf meine Fragen fast selber geben konnte.

Wozu also die Therapeutin?

Ich jedenfalls kann mich selbst ganz schlecht eines Besseren belehren. Meine Überlegungen beginnen stets, sich in Selbstreferenzen zu verlaufen und in Kreisen um den immer gleichen blinden Fleck zu drehen. Ich brauche jemanden, der meinen Gedanken ein Bein stellt, damit sie nach dem Sturz vielleicht den richtigen oder zumindest einen neuen Weg einschlagen.

Es ist ein wenig wie das, was ich von Zen zu wissen glaube – was, wenn es überhaupt stimmt, nicht allzu viel ist. Es ist eigentlich nur das, was mein Gehirn im Laufe der Jahre um die Anekdoten herum eingeordnet hat, die ich aus dem Buch Die Kunst des Wilden Denkens von Wes Nikser habe, das ich zu seiner Veröffentlichung (1992?) in die Finger bekommen habe. Mit ihren Koan scheinen mir Zen-Meister eine jahrhundertelange Erfahrung im Gedanken-Beinstellen zu haben. Ich zitiere mal eine der Anekdoten (kein Koan, glaube ich) aus dem Wilden Denken, die wiederum nach Alan WattsThe Spirit of Zen zitiert ist:

So fragte Meister Shi-kung: “Kannst du den leeren Raum ergreifen?” – “Jawohl, Herr,” erwiderte der Mönch. “Zeige mir, wie du das machst.” Der Mönch machte mit seiner Hand eine zupackende Bewegung in der Luft, aber Shi-kung rief: “Auf solche Weise? Doch bei alledem hast du nichts erwischt.” Deswegen fragte der Mönch: “Wie macht ihr es denn?” Jählings faßte Shi-kung den Mönch bei der Nase und, indem er kräftig daran zog, rief er aus: “So macht man’s, den leeren Raum fest in die Hand zu kriegen!”

Manchmal habe ich das Gefühl, das Leben spielt mir den Zen-Meister: Es stellt mir Fragen, ich antworte unüberlegt, und dann werde ich plötzlich übel an der Nase gezogen. Oder das Schicksal stellt mir mal wieder ein Bein, so dass ich heftig auf die Fresse falle. Damit ich danach vielleicht den richtigen Weg einschlage?

Apropos Leben und Weg – Alan Watts hat am Ende des folgenden von den South Park-Machern animierten Stücks auch dazu etwas zu sagen:

(Den Teil, den ich meine, gibt es bei YouTube auch nicht-einbindbar separat anzusehen – der Beschreibungstext dazu gibt übrigens etwas Hintergrundinfo dazu, wie ausgerechnet die Köpfe hinter South Park dazu kamen, Reden von Alan Watts zu illustrieren.)