Nov 17 2010

In der Tagesklinik (Tag 3)

Mit der Unterschrift unter den Behandlungsvertrag mit der Tagesklinik legt man zugleich ein Schweigegelübde ab. Ohne dieses letztendlich stillschweigende Einverständnis, nichts über das Schicksal der anderen nach Außen dringen zu lassen, wären den Gruppengesprächen mangels Vertrauen jeder Nährboden entzogen.

Es ist nicht überraschend, wenn auch ein Zufall, dass deshalb gleich in der Gruppensitzung aus einem Artikel vorgelesen und Andreas Biermann zitiert wurde mit den Worten “Ich rate keinem Fußballer, sich zu outen.” Das Gespräch, soviel erlaube ich mir zu verraten, drehte sich in der Folge um die Frage, welche Befürchtungen jeder einzelne hat, was passiert, wenn er sich auf welche Weise seinem Arbeitsumfeld gegenüber als depressiv “outen” würde. So sind eben die Zeichen der Zeit!

Aber dabei ging mir eben auch die Bedeutung des Vertrags auf, den ich unterzeichnet habe. Mir ist klar geworden, dass ich Vieles hier nicht werde ansprechen können, weil über das Stichwort “Ulmenhof” ja schon eine örtliche und zeitliche Beziehung zu Einzelnen hergestellt werden könnte. Ich finde das schade – und ich tue mich immer schwer, mir auf die Zunge zu beißen, gerade dann, wenn mir schon etwas auf derselben liegt.

Eines darf ich zur Gruppe noch sagen: Ihre Zusammensetzung entspricht den zuletzt oft wiederholten Statistiken zu Depressionserkrankten. Die Frauen sind in der deutlichen Überzahl, außer mir ist nur noch ein anderer Mann in meiner Gruppe. Dieses Missverhältnis war auch schon vor vier Jahren so. Damals hatte ich sozusagen andere Sorgen, als mich um geschlechtsspezifische Einzelheiten zu kümmern – inzwischen aber weiss ich von mir, dass dies für mich durchaus keine unwesentlichen Fragen sind – um es mal ganz vorsichtig und diplomatisch auszudrücken, ohne gleich zu Wortmonstren wie “Geschlechterrolle”, “Männlichkeit” etc. pp. zu greifen, denn auch so gerät man schon ins Niemandsland des Geschlechterdiskurses. Aber ich frage mich inzwischen wirklich, wie diese Fragen behandelt werden sollen, wenn die – Achtung! – “männliche Perspektive” praktisch un(ter)repräsentiert ist. Habe ich erwähnt, dass ausschließlich Frauen an der Klinik arbeiten – von dem Masseur einmal abgesehen?


Jul 12 2010

WEIRD

FYI: Psychological research conducted in WEIRD nations may not apply to global populations (via).


Jun 13 2010

Worte zum Sonntag (#32)

Meine Systemfestplatte hat einen ernsthaften Fehler – und ausnahmsweise meine ich das mal nicht im übertragenen Sinne. Deshalb schnell veröffentlichen, ehe mein Rechner nochmal abstürzt:

Wenn Meditieren nur manchmal nicht so schwer wäre… ;-)


Jun 6 2010

Worte zum Sonntag (#31)

Zum einunddreißigsten Male Worte und Zahlen zu Depression und (teils in weiterem Sinne) verwandten Themen aus dem Internet der vergangenen Woche:

  • “Inzwischen sind psychische Überlastungen zur häufigsten Ursache für Arbeitsausfälle geworden. Die Zahl der Fehltage, die auf Burn-out und Co. zurückzuführen sind, stieg zuletzt in weniger als zehn Jahren um 70 Prozent.”, schreibt ZEIT ONLINE.
  • Welt Online wiederum berichtet: “Immer mehr Arbeitslose leiden an psychischen Erkrankungen – eine Folge der Hartz-Reformen. Männer sind dabei mehr betroffen als Frauen.”
  • Sozusagen zur rechten Zeit also zitiert die Süddeutsche Zeitung Theresa Enke zur Robert Enke Stiftung: “Wir wollen erreichen, dass sich keiner mehr schämen muss.”
  • “Ein neues Verfahren könnte bald Tinnitus lindern, indem kombinierte elektrische und akustischen Signale das Hörzentrum neu justieren.”, berichtet Technology Review.
  • “Nach einer Studie ist bei US-Studenten die Empathie in den letzten 30 Jahren drastisch gefallen, besonders stark ab dem Jahr 2000″, fasst Telepolis eine neue U.S.-amerikanische Studie zusammen.
  • Zur gleichen Zeit gibt es in den USA mehr und mehr Neuroleptika und Antidiabetika für das junge Volk.
  • “The stimulatory effects of caffeine may be nothing more than an illusion according to new research, which shows there is no real benefit to be gained from the habitual morning cup of coffee.” (via)

Zitat der Woche:

From what we know of the future DSM-V, Anakin is a “good” to “very good” match to the future BPD[...]“.