Mai 21 2010

Vorwärts

Heute war ein guter Tag, obwohl er nach Alpträumen und unruhigem Schlaf nur schlecht und viel zu spät begonnen hatte. Aber Sonnenschein und der anstehende abschließende Vorgesprächstermin bei der Psychoanalytikerin trieben mich kurz nach eins aus dem Haus. Die Zeit bis zur Therapie verbrachte ich mit Spaziergängen und Kaffeetrinken, vor allem aber nochmal damit, mir selbst zu versichern, dass meine Entscheidung richtig sei.

Denn Dienstag waren die Würfel gefallen. Bei meinem wie sich dann herausstellen sollte letzten Gesprächstermin in der Ambulanzklinik konnte ich feststellen, dass die Distanz, die ich zu der Therapeutin aufgebaut hatte – die Gründe davon kann ich nicht wirklich in Worte fassen – nicht überwinden konnte, oder eigentlich: wollte. Erneut hatte ich das Gefühl, die Gespräche ähnelten zu sehr meiner vorigen Therapie. Darauf angesprochen unterstützte mich die Therapeutin bei der Entscheidung, mich auf die Psychoanalyse konzentrieren zu wollen. Sie ließ mir die Chance, in Notfällen ansprechbar zu bleiben, machte aber in meinem eigenen Interesse klar, dass die Entscheidung damit gefallen sei und es kein Zurück mehr gäbe.

Für diesen weisen “Tritt in den Arsch” bin ich ihr dankbar. Ich hatte zuletzt geschrieben, dass die Ungewissheit um meine Weiterbehandlung mich beunruhigen würde – und nachdem die Entscheidung nun gefallen war, fühlte ich mich umgehend erleichtert.

Mein etwas gebessertes Selbstvertrauen kam heute auch bei der Psychoanalytikerin an, und wir wurden uns einig, dass eine stationäre Klinikbehandlung nicht mehr notwendig, auch nicht unbedingt hilfreich sei. Sie würde mich als Patient aufnehmen wollen. Jetzt gilt es, die bürokratischen Hürden zu nehmen: Wegen der gerade erst beendeten Vortherapie muss der Therapieformwechsel zunächst von einem Gutachter, äh, begutachtet werden, um als aussichtsreiche Weiterbehandlung der Krankenkasse gemeldet zu werden, damit dann die Gelder dazu bewilligt werden. Ich mache mir deshalb aber (fast) keine Sorgen.

Nach langer Zeit des Umherirrens und des (laut der Therapeutin des Klinikums ungewöhnlich umfangreichen) Abwägens verschiedenster Behandlungsoptionen habe ich jetzt erstmals wieder das Gefühl, etwas bewegt sich – und zwar nicht nur im Kreis, sondern tatsächlich zielgerichtet vorwärts.

Auch wenn ich keine Ahnung habe, wohin mich dieser Weg letztendlich führen wird.


Mai 3 2010

Analyse?

Vor zwei Wochen hatte ich angedeutet, dass sich eine Möglichkeit ergeben könnte, kurzfristig einen Erstgesprächstermin zu einer psychoanalytischen Therapie zu bekommen. Ich habe allerdings nicht mehr berichtet, dass es erfolgreich war. Das hole ich jetzt nach, heute war ich zu einem ersten Termin bei einer Psychoanalytikerin.

Ich kann immer noch nicht recht einschätzen, was mir Termin bedeuten soll. Inhaltlich verlief er eigentlich nicht anders als andere Erstgespräche. Einzig, ich war gesprächiger, kann aber nicht sagen, ob das “vorausschauender Gehorsam” war, weil ich erwartete, eine Psychoanalytikerin würde mich ohnehin anschweigen, oder ob sie mir tatsächlich die Führung des Gesprächs überließ. Und ich hatte viel zu erzählen. In der Nacht zuvor hatte ich kaum geschlafen, weil ich morgens um 5:30 Uhr nach Alpträumen aufgewacht war, die vorausnahmen, worüber ich zu sprechen hatte. Offensichtlich ging mir schon die Erwartung des Termins näher, als ich bemerkt habe. Wie dann auch die Unterhaltung selbst: Ich dachte, “Therapiemüdigkeit” hätte mich schon abgestumpft, und ich würde die Termine und Fakten ähnlich distanziert runterbeten wie in den kurzen Gesprächen mit den Psychiatern in den letzten Wochen – so, wie es mir zeitweise bei meinem letzten Therapietermin vorkam – dem war aber ganz und gar nicht so.

Bedeutet das, ich habe der Therapeutin unbewusst schon mehr Vertrauen geschenkt? Ich weiss es nicht. Das Ganze ließ mich irritiert und “angegriffen” zurück. Vielleicht auch wegen der Erschöpfung nach der unruhigen Nacht, wie soll ich das unterscheiden…

Nächste Woche gibt es einen Nachfolgetermin. Die Therapie in der Ambulanz werde ich einmal verschieben, um nicht noch weiter durcheinander zu geraten. Eine der beiden Therapien kann ich erst wirklich auf- und annehmen, wenn ich mich auch entschlossen habe, dabei zu bleiben.


Apr 20 2010

Unverhofft

Ich habe heute überraschend das Angebot bekommen, aus den – wie ich bisher angenommen hatte nur vorläufigen – Gesprächsterminen in der Klinikambulanz regelmäßige Therapiesitzungen zu machen. Dies wäre dann nominell eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Einziger Unterschied zu niedergelassenen Ärzten wäre eine gewisse Terminunsicherheit wegen des unvorhersagbaren Klinikbetriebs, die Therapeutin kann mir also keinen regelmäßigen Termin versprechen, nur in etwa die Frequenz, einmal alle ein bis zwei Wochen.

Die Therapeutin setzt mich zeitlich mit einer Entscheidung nicht unter Druck, sie kann und will mich aber verständlicher- und sicher auch sinnvollerweise nicht in Konkurrenz zu einer anderen Therapie behandeln. Etwas Zeit brauche ich in jedem Fall: Zum einen, weil ich der Therapeutin bisher als “temporäre Lösung” nicht wirklich meine volle Aufmerksamkeit geschenkt habe, und deshalb noch keine rechte Meinung dazu habe, ob wir miteinander klarkommen. Zum anderen, weil ich die Option Psychoanalyse noch nicht ausschließen will, solange ich nicht mehr dazu weiss. Möglicherweise ergibt sich da morgen eine Möglichkeit, einen Erstgesprächs- oder zumindest Beratungstermin zu ergattern.

Der Termin hat für mich auch ein paar persönlichere Fragen aufgeworfen, die mir noch im Kopf rumgehen. Dazu vielleicht später mehr.


Mrz 26 2010

Die Ausgangslage

Wenn ich mich zusammenreißen kann, werde ich hier in der Folge vom Verlauf meiner neuen Behandlungsversuche berichten. Damit man dem folgen kann, will ich versuchen, die Ausgangslage dafür zu beschreiben. (Den weiter gefassten Gesamtüberblick über meine Krankheitsgeschichte findet Ihr ja in Über/About “Nullwert”.)

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