Vorwärts
Heute war ein guter Tag, obwohl er nach Alpträumen und unruhigem Schlaf nur schlecht und viel zu spät begonnen hatte. Aber Sonnenschein und der anstehende abschließende Vorgesprächstermin bei der Psychoanalytikerin trieben mich kurz nach eins aus dem Haus. Die Zeit bis zur Therapie verbrachte ich mit Spaziergängen und Kaffeetrinken, vor allem aber nochmal damit, mir selbst zu versichern, dass meine Entscheidung richtig sei.
Denn Dienstag waren die Würfel gefallen. Bei meinem wie sich dann herausstellen sollte letzten Gesprächstermin in der Ambulanzklinik konnte ich feststellen, dass die Distanz, die ich zu der Therapeutin aufgebaut hatte – die Gründe davon kann ich nicht wirklich in Worte fassen – nicht überwinden konnte, oder eigentlich: wollte. Erneut hatte ich das Gefühl, die Gespräche ähnelten zu sehr meiner vorigen Therapie. Darauf angesprochen unterstützte mich die Therapeutin bei der Entscheidung, mich auf die Psychoanalyse konzentrieren zu wollen. Sie ließ mir die Chance, in Notfällen ansprechbar zu bleiben, machte aber in meinem eigenen Interesse klar, dass die Entscheidung damit gefallen sei und es kein Zurück mehr gäbe.
Für diesen weisen “Tritt in den Arsch” bin ich ihr dankbar. Ich hatte zuletzt geschrieben, dass die Ungewissheit um meine Weiterbehandlung mich beunruhigen würde – und nachdem die Entscheidung nun gefallen war, fühlte ich mich umgehend erleichtert.
Mein etwas gebessertes Selbstvertrauen kam heute auch bei der Psychoanalytikerin an, und wir wurden uns einig, dass eine stationäre Klinikbehandlung nicht mehr notwendig, auch nicht unbedingt hilfreich sei. Sie würde mich als Patient aufnehmen wollen. Jetzt gilt es, die bürokratischen Hürden zu nehmen: Wegen der gerade erst beendeten Vortherapie muss der Therapieformwechsel zunächst von einem Gutachter, äh, begutachtet werden, um als aussichtsreiche Weiterbehandlung der Krankenkasse gemeldet zu werden, damit dann die Gelder dazu bewilligt werden. Ich mache mir deshalb aber (fast) keine Sorgen.
Nach langer Zeit des Umherirrens und des (laut der Therapeutin des Klinikums ungewöhnlich umfangreichen) Abwägens verschiedenster Behandlungsoptionen habe ich jetzt erstmals wieder das Gefühl, etwas bewegt sich – und zwar nicht nur im Kreis, sondern tatsächlich zielgerichtet vorwärts.
Auch wenn ich keine Ahnung habe, wohin mich dieser Weg letztendlich führen wird.